Wie ein Fortuna-Fan wegen eines Torjubels aus dem Block flog

Block D5, Reihe 29

Becker ging mit. Empört argumentierte er: »Was hab´ ich denn gemacht? Ich habe mich doch nur über ein Tor meiner Mannschaft gefreut!« Er verlangte, den Einsatzleiter des Sicherheitsmannes zu sprechen. Der Einsatzleiter klärte ihn auf, dass es für seine Sicherheit das Beste sei, wenn er Block D verließe. Immerhin bot er Becker an, das Spiel in einem anderen Block zu Ende zu schauen. Dort, im leeren Block, dürfe er auch jubeln.

Bei Leverkusen wird der Vorfall vereinsintern nur »Block D5, Reihe 29« genannt. Meinolf Sprink, Kommunikationsdirektor von Bayer Leverkusen, kann den Namen Ulrich Becker nicht mehr hören. Tagelang nervte der Fortune die Geschäftsstelle mit Beschwerdemails. Sprink sagt: »Natürlich ist es verboten, im Heimbereich für die Gastmannschaft zu jubeln. Zu seiner eigenen Sicherheit wurde der Herr Becker in einen anderen Block geleitet.«

Leverkusen-Fan mit Denunziationsreflex

Becker hält er für einen Gernegroß, der es nun genießt, sich im Licht der Öffentlichkeit zu sonnen – der Düsseldorfer »Express« hatte über den Fall mit einem Foto von Becker in Fortuna-Trikot berichtet. Dass Becker sich im Block nicht bedroht fühlte, spielt für Sprink keine Rolle: »Wenn etwas passiert, tragen wir die Verantwortung. Dem wollten wir vorbeugen. Der Großteil des Stadions ist ein gemischter Bereich, lediglich in zwei Blöcke sollen keine Gästefans eingelassen werden – zu ihrer eigenen Sicherheit.«

Becker versteht das bis heute nicht und wähnte sich vor den versteckten Kameras von »Verstehen Sie Spaß?« Immerhin durfte er ab der 60. Minute in einen anderen Block gehen, die Ordner boten dem Düsseldorfer sogar schuldbewusst noch etwas zu essen und zu trinken an. Essen wollte Becker allerdings nichts mehr; er wollte nur jubeln. Immerhin war es ihm dort noch vergönnt, den 2:3-Anschlusstreffer seiner Düsseldorfer zu feiern. Und diesmal holte kein in seiner Ruhe gestörter Leverkusen-Fan mit Denunziationsreflex den Sicherheitsdienst.