Wie ein Fan-Verein in England durchstartet

Der Klub, das sind wir

In England sterben gerade Traditionsvereine aus finanziellen Gründen. Doch ein Klub im Profifußball prosperiert: Exeter City wird von seinen Fans geführt – und steht an der Tabellenspitze.

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Kürzlich wurde der Traditionsverein Bury aufgrund von finanziellen Problemen aus der dritten Liga verbannt. Die Polizei ermittelt gar wegen des Verdachts des Betrugs. Auch prestigeträchtige Vereine wie Bolton mussten um ihre Existenz zittern. Der Spitzenreiter der vierten Liga zeigt derweil, wie es anders laufen kann: Exeter City wird von seiner lokalen Community geführt und hat keinerlei Schulden. Der Klub ist wirtschaftlich gesund – im Gegensatz zu einer Großzahl der investorengeführten Konkurrenz.

Fans sammeln 42000 Pfund in einem Monat

Das war nicht immer so: 2003 stand auch Exeter vor dem Exodus. Die damalige Situation war vergleichbar mit dem derzeitigen Desaster in Bury. Exeters Vorsitzender musste wegen Betrugs hinter Gittern, den Verein plagten nach dem Abstieg in den Amateurfußball Schulden in Höhe von 4,5 Millionen Pfund. Der Staatsanwalt bescheinigte dem vorherigen Boss, »total pleite« zu sein, ohne Bankkonto und einen Pfennig für Exeter. Der »Supporters Trust« musste einspringen, um den Klub zu führen und ihn aus der Notlage zu befreien.

Mit der Hilfe von lokalen Geldgebern trieben die Anhänger bereits im ersten Monat 42 000 Pfund auf, um Exeter gerade noch am Leben zu erhalten. Bereits zwei Jahre später war der Klub schuldenfrei – dank seiner Fan-Initiative und eines Heimspiels im FA-Cup gegen Manchester United.

Bis heute besteht das ehrenamtliche Engagement der Fans fort: Sie streichen die Toiletten oder geben Hilfe in Rechtsfragen, ohne auch nur einen Cent dafür zu verlangen. Der Verein spart auf diese Art schätzungsweise 250 000 Pfund pro Jahr. Fans zahlen sogar in einen Fonds ein, um Spielern aus der eigenen Jugend Teile des Gehalts zu bezahlen. Einer davon ist Jack Sparkes, der schon mit 16 Jahren sein Debüt in der ersten Mannschaft gab.