Wie ein Fan-Streit in Argentinien eskalierte

Feuer unterm Dach

Ein Boca- und ein River-Fan streiten darüber, welcher Verein der bessere ist. Kann das gut gehen? Nein.

Peter Coates bei Twitter

Der welt-dümmste Streit trug sich 2014 in einer Marburger Kneipe zu. Zwei Männer diskutierten über die richtige Schreibweise des Wortes »Karussell«, »ein R, zwei L«, meinte der eine, »zwei R, ein L«, der andere, und noch bevor irgendjemand der Anwesenden auf die Idee kam, mal sein Smartphone zu bemühen, um das Wort »Karussell« einfach zu googeln, war die Debatte derart eskaliert, dass der eine dem anderen eine Bierfasche über den Hinterkopf schlug und die Polizei anrücken musste. Ohne dabeigewesen zu sein, lässt sich mit einiger Sicherheit sagen: Das wäre zu verhindern gewesen.  

»Streit ist die Würze der Demokratie«, schrieb zuletzt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmer, aber das stimmt ganz augenscheinlich nicht, wenn man in einer diesigen Eckkneipe bei 3,8 Promille die Feinheiten der deutschen Orthografie diskutieren will. Oder wenn man Fußballfan ist. Von denen heißt es ja ohnehin, dass sie manchmal etwas hitzig agierten. Darüber hinaus sagen bzw. singen sie von sich selbst ja ab und an, asozial zu sein, unter Brücken zu schlafen, oder in der Bahnhofsmission. Womit wir beim Thema wären. 

»Jetzt haben wir ausgeglichen«

Denn in Argentinien ist ein Streit zwischen zwei Fußballfans derart eskaliert, dass Marburger Kneipengängern dabei die Ohren schlackern würden. Im Lichte des ersten Superclasico in einem Copa-Libertadores-Finale jemals, gerieten ein Boca-Fan und ein River-Fan über der Frage aneinander, welcher Klub denn nun der bessere sei. Wer mit Fans und Fantum auch nur ansatzweise vertraut ist, weiß, dass diese Versuchsanordnung zum Scheitern verurteilt ist. Boca und River, das ist wie Schalke und Dortmund, nur das viele der Beteiligten Schusswaffen und Tollwut haben. Eine Einigung, welcher der bessere Klub ist, war also ohnehin eher unwahrscheinlich. Eine Eskalation hingegen schon. 

Die Geschichte der Rivalität zwischen Boca und River Plate reicht über hundert Jahre zurück. River Plate, das sind die Bonzen, die Millionarios. Boca die Hafenarbeiter, die beim Fußball einen Weg fanden, es denen da oben mal ordentlich zu zeigen. Der Hass sitzt so tief, dass es immer mal wieder Tote gibt. Als Boca Mitte der Neunziger mit 0:2 verlor, wurden nachts zwei River-Fans ermordet, aus Boca-Fankreisen hieß es anschließend: »Jetzt haben wir ausgeglichen«. Der Streit zwischen den beiden Fans, von dem der Journalist Peter Coates auf Twitter berichtete, ging etwas glimpflicher aus. Aber nur etwas. Als Schlussargument für seine Sache fackelte der eine seinem Gegenüber kurzerhand das Haus ab. 

Viele Fragen rund um die Superclasico-Brandstiftung bleiben leider unbeantwortet. Stimmt die Geschichte überhaupt? Wer steckte wessen Haus an? Wurde er zur Rechenschaft gezogen, idealerweise von der Polizei, und nicht von den gegnerischen Fans? Gibt es in Argentinien Bahnhofsmissionen, in denen man notfalls schlafen kann? Und wie schreibt man eigentlich »Karussell« auf Spanisch? Im Polizeibericht zur Marburger Kneipenschlägerei findet sich übrigens kein Hinweis darauf, ob sich die beiden Streithähne noch auf eine Schreibweise einigen konnten. Wahrscheinlich eher nicht. Von einer Brandstiftung in Marburg in den Wochen danach ist aber glücklicherweise auch nichts zu lesen.