Wie ein Ex-Mainz-Profi zum Schwulen-Aktivisten wurde

Der Kampf des Viktor Fischer

Viktor Fischer vom FC Kopenhagen wird immer wieder homophob beleidigt. Der ehemalige Profi von Mainz 05 könnte die Idiotie mit einem Achselzucken hinnehmen. Doch er hat sich anders entschieden. Ganz anders.

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Viktor Fischer ist hetero. Warum das erwähnenswert ist? Weil der Offensiv-Star des FC Kopenhagen seit Wochen Zielscheibe homophober Schmähgesänge von gegnerischen Fans ist. Ob in Bröndby oder in Odense: Allerorten ertönen diese »Fischer, er ist schwul«-Gesänge auf den Tribünen, wenn der 21-malige dänische Nationalspieler zu Gast ist. Warum es gerade Fischer trifft? Vielleicht, weil seine Dribblings mitunter so provokant rüber kommen. Vielleicht, weil er als »Schönling« gilt und damit dem Stereotyp des Schwulen entspricht. Man weiß es nicht.

Natürlich könnte sich Viktor Fischer, der im Januar 2018 vom FSV Mainz 05 nach Kopenhagen gewechselt ist, einen schlanken Fuß machen. Er könnte lässig mit den Achseln zucken und sagen: Ich bin doch gar nicht schwul, also was hab ich damit zu tun? So wie einst Andreas Möller, dem mitunter der Tribünengesang »Andy Möller ist homosexuell« entgegen hallte (nach der Melodie von „Yellow Submarine“). Oder Mehmet Scholl, für den irgendein Philosoph den „Anton aus Tirol“ umgetextet hatte: »Ich bin so schön, ich bin so toll – ich bin der schwule Mehmet Scholl«.

Wer mag es einem Fußballer verdenken, wenn er derlei Krakeele und Gejohle lieber stillschweigend wegsteckt als ein großes Ding draus zu machen? Doch Viktor Fischer hat sich anders entschieden. Ganz anders. Er stellt sich der Herausforderung, die er gar nicht gesucht hat. Und er macht den Kampf gegen Homophobie, der ihn persönlich gar nicht betrifft, zu seinem eigenen Kampf – mit einer bemerkenswerten Mischung aus Schlagfertigkeit und Zivilcourage.

Der tragische Fall Justin Fashanu

Zuletzt, beim Gastspiel in Odense (1:0 für Kopenhagen), warf Fischer den hetzenden Heimfans demonstrativ Kusshändchen zu. Später bezog er klar Stellung: »Nennt mich Idiot oder sonst was, aber nicht ›schwul‹. Diese Art von Homophobie ist bösartig, sie sät krankhaften Hass und muss verschwinden. Ich werde so lange dagegen ankämpfen, bis jeder begriffen hat, dass Homophobie im Fußball und in der Gesellschaft nichts zu suchen hat.«

Und so erinnert das Auftreten des Viktor Fischer an den Kampf des Justin Fashanu, jenes englisch-nigerianischen Fußball-Profis, der sich 1990 als homosexuell geoutet hatte und fortan durch ein Stahlbad aus Hass und Hohn gehen musste. Fashanu wollte ein Zeichen setzen, weil er dachte, dass die Zeit dafür reif sei. Doch das war sie nicht. Noch lange nicht. 1993 kehrte der Stürmer, psychisch schwer angeschlagen, dem englischen Liga-Fußball den Rücken zu. Vier Jahre später nahm er sich in einer Garage das Leben.