Wie ein Drittligist den französischen Pokal aufmischt

Herbiers Fully Loaded

Les Herbiers VF steht nach einem 2:0-Erfolg vor Rekordkulisse im Finale der Coupe de France. Jetzt drücken alle dem Außenseiter die Daumen. Denn im Finale wartet Paris Saint-Germain.

imago

David gegen Goliath. 300 Spartaner gegen das gesamte persische Königreich. Die Rebellen-Allianz gegen das Galaktische Imperium. Im Grunde ist keine noch so abgedroschene Underdog-Geschichte groß genug, um einzufangen, was sich am 8. Mai im Stade de France zu Paris abspielen wird.

Im Finale der Coupe de France trifft dort Les Herbiers VF, Neunter in der Division 3, auf die übermächtigen Hauptstädter von Paris Saint-Germain. Les Herbiers ist ein unscheinbarer Klub, der gänzlich ohne glorreiche Vergangenheit auskommt.  Nie haben die «roten Teufel«, wie sie wegen ihrer schwarz-roten Trikots genannt werden, höher als drittklassig gespielt.

Ein Jahr Les Herbiers – einen Monat Neymar

Die beiden Halbfinaltorschützen Florian David und Ambroise Gboho bringen es zusammen auf einen Marktwert von 400.000 Euro. Les Herbiers Jahresetat von knapp zwei Millionen Euro würde Superstar Neymar nicht einmal für einen Monat in Paris halten.

Für PSG ist das Endspiel die Chance, das mittlerweile fast schon verpflichtende Trost-Triple aus Liga, Coupe de la Ligue und Coupe de France perfekt zu machen. Für den Drittligisten aus Les Herbiers ist allein der Finaleinzug gleichbedeutend mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Per Schleichweg ins Finale

Der Weg dahin wurde zugegebenermaßen mit freundlicher Unterstützung der französischen Losfee geebnet. Angouleme CFC, FC Saint-Lo, AJ Auxerre, RC Lens, FC Chambly: So unterklassig lesen sich die Vereine, die der Sensationsmannschaft von Les Herbiers VF bisher zum Opfer gefallen sind.

Bloß geht es in der westfranzösischen Kleinstadt mit ihren rund 16.000 Einwohnern deswegen nicht weniger euphorisch zu. Das Halbfinale gegen den ebenfalls drittklassigen FC Chambly wurde ins nahegelegene Nantes verlegt. Mit einem bescheidenen Fassungsvermögen von 5.000 Plätzen erschien das heimische Stade Massabielle doch eher ungeeignet, um dem überwältigenden Zuschauerinteresse gerecht zu werden.