Wie ein dänischer Zweitligist einen Weltklasse-Stürmer bekam

Der Schein-Transfer

Stürmer Steve Trawally traf in Chinas Super League nach Belieben – und wechselte plötzlich zu Vejle BK in die 2. dänische Liga. Dort aber wird er niemals spielen. Was also soll dieser Transfer?

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Irgendwann kam alles ans Tageslicht. Und Schuld war mal wieder das Internet. Ein paar Fans des dänischen Zweitligisten Vejle BK schnüffelten auf der Plattform transfermarkt.de herum und machten eine erstaunliche Entdeckung: Ihr Verein hatte im Winter klammheimlich einen gewissen Bubacarr »Steve« Trawally (23) gekauft. Und, siehe da: Der Gambier, der vergangene Saison in der milliardenschweren chinesischen Super League 18 Treffer für Absteiger Yanbian Funde erzielt hatte und auf Platz 5 der Torschützenliste gelandet war (vor Kapazitäten wie Hulk oder Alexandre Pato übrigens), ist ein richtig Guter. Erst recht für die semiprofessionelle 2. Liga Dänemarks.

Umso betrüblicher für Vejles Anhänger, dass Trawally nie auf der Homepage, beim Training oder gar in einem Spieltags-Kader ihres Vereins auftauchte. Wird er wohl auch nicht – obwohl die Skandinavier im Winter laut transfermarkt.de eine Ablöse von 3,28 Millionen Euro für ihn hinblätterten. Dennoch trägt Trawally aktuell die Farben von Guizhou Hengfeng. Der Super-League-Klub aus der chinesischen 33-Millionen-Einwohner-Provinz Guizhou hat den Afrikaner nämlich postwendend von Vejle BK ausgeliehen. Und jetzt kommt's: Die Leihgebühr beträgt laut transfermarkt.de exakt jene 3,28 Millionen Euro, die zuvor aus Dänemark an Trawallys Ex-Klub Yanbian Funde geflossen waren. Ein lustiger Zufall, könnte man meinen. 

Vejles Investoren sind nebenbei auch Spielerberater

Tatsächlich drängt sich eher der Verdacht auf, dass zwischen Yanbian Funde und Vejle ein Schein-Transfer stattgefunden hat, um die komplizierten und kostspieligen chinesischen Regeln für Transfers von Ausländern zu umschiffen. Was den Verdacht zusätzlich nährt: Vejles Investoren Andrew Zolotko und Lucas Chang-Jin, die nebenbei auch Spielerberater und -vermittler sind, unterhalten hervorragende Geschäftsbeziehungen nach Fernost. Das Duo half u.a., einen gewissen Fabio Cannavaro als Trainer beim chinesischen Topklub Guangzhou Evergrande unterzubringen. Und auch sonst helfen Zolotko und Chang-Jin zahlungskräftigen Geschäftspartnern gern, wenn's nötig ist.

Die Sache ist die: Für Chinas Klubs ist es kompliziert geworden, ausländische Spieler zu kaufen. Nachdem die Liga vor gut einem Jahr im Winter-Transferfenster knapp 400 Millionen Euro an Ablösen für Legionäre rausgehauen hatte, führte der Verband eine hundertprozentige Steuer auf Transfers ausländischer Stars ein – einerseits, um den wirtschaftlichen Wahnsinn zu stoppen, andererseits, um einheimische Talente unter Artenschutz zu stellen. Die Regelung zeigte Wirkung. So verzichtete Tianjin Quanjian auf den geplanten 70-Millionen-Euro-Transfer des damaligen Dortmunders Pierre-Emerick Aubameyang. Inklusive der neuen Steuer hätte dessen Verpflichtung schlanke 140 Millionen verschlungen – ohne Gehalt, Handgelder und Beraterprovisionen, versteht sich.

»Wir wollen das Beste für den Verein.«

Chinas Klubs müssen heute viel schärfer kalkulieren als in der Vergangenheit – oder sie müssen kreativer sein bei der vertraglichen Ausgestaltung ihrer Transfers. Für Leihdeals beispielsweise gibt es Ausnahmen bei der Besteuerung. Und genau hier kommt Vejle BK mit seinen Investoren Andrew Zolotko und Lucas Chang-Jin ins Spiel. Als das Duo den dänischen Provinzklub vor knapp zwei Jahren übernahm, beteuerte Zolotko, das Ganze sei »nicht zuvorderst eine geschäftliche Transaktion. Wir wollen das Beste für den Verein.«