Wie ein Berliner Eisverkäufer Fußballprofi in England wurde

»Bier? Das geht jetzt nicht mehr!«

Lachlan Barr, 22, hatte den Traum vom Fußballprofi bereits begraben. Er jobbte als Eisverkäufer in Berlin und spielte in der siebten Liga, zum Spaß. Dann klopfte Bradford City an.

Lachlan Barr@officialbantams on Twitter

Lachlan Barr, kennen Sie die Geschichte von Jamie Vardy?
Ja natürlich. Von ganz unten nach ganz oben, aus dem Nirgendwo zu Leicester City und dann zum besten Stürmer von England.

Sie sind gerade aus der siebten Liga in Berlin zu Bradford City in die dritte Liga in England gewechselt, sind jetzt Profi. Wieviel Jamie Vardy steckt in Ihnen?
Ich lebe meinen Traum, so wie er. Das ist ähnlich, oder? Natürlich stehe ich erst am Anfang. Aber Jamie Vardy hat gezeigt, dass alles möglich ist - das gibt so Träumern wie mir natürlich viel Mut.

Sie kommen aus Australien, wie kamen Sie zum Fußball?
Da wo ich herkomme, gab's nur den FC Adelaide United und dort wollte ich spielen. Mit 18 bin ich in die U21 von Adelaide gewechselt, aber den Sprung ins Profiteam habe ich nicht geschafft. Ich habe überlegt: Wie kann ich Profi werden? Ich wollte es in England versuchen, bin nach London gezogen und habe bei Brentford in der U21 gespielt. Den Sprung habe ich aber auch dort nicht geschafft. Also bin ich nach Berlin gezogen.

Wegen des Fußballs?
Nein, ich wollte etwas Neues sehen. Abstand gewinnen. An Fußball habe ich nicht mehr gedacht. Weil ich von irgendwas leben musste, habe ich in der Eisdiele Homemade Icecream in Schöneberg gearbeitet. Kugeln formen, auf die Waffel, fertig. Ein einfacher Job. Am liebsten mochte ich die Sorte »Gebrannte Mandeln«. Irgendwann sprach ich mit meinem Kollegen an der Eistheke über Fußball. Er spielte beim FC Internationale 1980 in Schöneberg. Er hat mich zum Training mitgenommen.


Siebte Liga, ziemlich weit weg vom Profitraum, oder?
Ja. Aber ich hatte selten mehr Spaß. Meine eigene Familie lebte ja tausende Kilometer weit entfernt in Australien und nun war diese Mannschaft meine Familie. Und der damalige Trainer, Lars Mrosko, arbeitete nebenher als Scout für den englischen Drittligisten Bradford City in Deutschland. Er hat mir gesagt: Zeig', was du kannst, ich bringe dich weiter.

Er hat Wort gehalten.
Ja, erst hat er mir ein Probetraining dort verschafft, im letzten Jahr. Es lief gut, aber die Mannschaft spielte um den Aufstieg in die zweite Liga. Das hätten sie mir nicht zugetraut, deshalb war ich ein bisschen froh, dass sie nicht aufgestiegen sind. Jetzt habe ich diesen Vertrag bekommen und trainiere mit der Mannschaft. Wahnsinn.

Schon eine Playstation gekauft?
Nein, wieso?

Fußballprofis spielen Playstation, ein Naturgesetz.
Ich habe seit zwei Jahren nicht mehr Playstation gespielt. Aber ich wohne hier zusammen mit Joel Grodowski, der gerade aus der Kreisliga nach Bradford City wechselte (Die Geschichte von Grodowski lest ihr hier) und sehr gerne Playstation spielt. Vielleicht kaufen wir uns jetzt eine?

Das Geld hätten Sie ja. Wieviel verdient man denn bei Bradford City?
Das kann ich natürlich nicht so genau sagen. Ich habe ja meinen ersten Vertrag, also nicht so viel, wie die anderen Spieler dort, die schon lange Profis sind. Aber ich kann sehr gut leben davon. Ich habe definitiv mehr Geld als früher, als Eisverkäufer verdient man ja nicht besonders und beim FC Internationale haben wir gar nichts verdient, aber das war okay. Man spielt dort nicht wegen des Gelds, sondern wegen der Liebe zum Fußball und weil man nach dem Training zusammen ein Bierchen trinkt.

Profi zu sein, das heißt ja auch: kein Bier mehr.
Ja, das geht jetzt nicht mehr. Oder vielleicht mal nach einem guten Spiel? Nein, wahrscheinlich geht auch das nicht.

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