Wie ein Australier den afrikanischen Fußballmarkt aufmischt

Her mit den schönen Trikots

Die großen Sportausrüster machen einen Bogen um die kleinen, afrikanischen Nationalmannschaften. Der junge Australier Luke Westcott sprang ein und liefert jetzt die Trikots für die Nische. Und alles begann mit MS Paint.

Screenshot / news.com.au

»Gerechtigkeit, Freiheit, Wohlstand«, der Wahlspruch der Republik Südsudan ist fest im Wappen des Landes verankert. Getragen werden sie durch den Schreiseeadler, ein afrikanischer Greifvogel, dessen unverkennbare Revierrufe als »Stimme Afrikas« bekannt sind. Doch wann immer auch die Rufe in das ferne Europa hinüberwehen, sind es verzweifelte Rufe nach Hilfe. Schon seit vier Jahren herrscht ein erbitterter Bürgerkrieg – die Menschen fliehen. Der Wahlspruch ist nur eine traurige Farce.

Dass hier tatsächlich Länderspiele ausgetragen werden, scheint verrückt. Und doch trägt die – wie der Staat 2011 gegründete – südsudanesische Fußballnationalmannschaft regelmäßig Länderspiele aus. Doch welcher Ausrüster schließt schon einen Deal mit einem Land ab, in dem die meisten Menschen so bitterarm sind, dass sie sich nicht einmal etwas zu essen kaufen können? Es winken schließlich kaum Trikotverkäufe und so gut wie keine Vermarktungsmöglichkeiten, weil die Teilnahme an einem großen Turnier in etwa so abwegig ist, wie Frieden in naher Zukunft.

Mit MS Paint fing alles an

Doch genau dieses Risiko ging ein junger BWL-Student aus Australien ein. Luke Westcott aus Melbourne, 23 Jahre alt, designte schon als Kind die Trikots sämtlicher Nationalmannschaft. Er übte es zumindest mit MS Paint, am heimischen Computer. An der Uni hat Westcott dann offenbar aufgepasst und eine Marktnische gefunden: Kleine, afrikanische Fußballverbände.

Deshalb kontaktierte er auch zuerst das neuste Mitglied im afrikanischen Fußball: die Republik Südsudan. Der Verband war begeistert und lief nur wenige Wochen später in den Trikots von Westcott auf. »Es ist einer der härtesten Orte der Welt, um Geschäfte zu machen«, sagte Westcott dem australischen Nachrichtenportal »news.com.au«. Heute ist er nicht nur der Trikotlieferant. Nach einem Besuch im März 2016 agiert er auch als Berater für einige Spieler und betreut den Social-Media-Account des Verbands. Im Südsudan traf Westcott auch FIFA-Präsident Infantino, der sich lächelnd mit dem neuen Trikot ablichten ließ.

 

Quelle: Screenshot / news.com.au