Wie ein Algerier Messi & Ronaldo vom Thron schoss

Das Problem von Ziel und Zeitpunkt

Will man Baghdad Bounedjahs wahre Leistungsfähigkeit beurteilen, muss man wohl seine Vorstellungen im algerischen Nationalteam zum Maßstab nehmen – und die sind durchaus beeindruckend, zumindest auf den ersten Blick. In seiner 59-Tore-Bilanz für 2018 sind nämlich auch sechs Treffer für die »Fenneks« (Wüstenfüchse) enthalten, in nur acht Länderspiel-Einsätzen. Gemeinsam mit seinem guten Freund Riyad Mahrez von Manchester City sorgte der Al-Sadd-Star dafür, dass Algerien ein Ticket für den Afrika-Cup 2019 löste.

Doch auch hier bleiben Fragen, zum Beispiel: Warum trat Bounedjah noch nie gegen afrikanische Topnationen wie Nigeria oder Senegal als Torschütze in Erscheinung? Auf ein europäisches Nationalteam traf der Rechtsfuß (19 A-Länderspiele, sieben Treffer) bislang nur ein einziges Mal. Doch beim 0:3 in Portugal, wenige Tage vor Beginn der WM 2018 in Russland, spielte er lediglich 19 Minuten und blieb komplett unauffällig, was ihn offensichtlich wurmte: »Ich will mich mit den Besten messen und zeigen, dass ich mit ihnen mithalten kann«, sagt Bounedjah trotzig. »Deshalb ist mein großes Ziel die Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Ich konnte bislang noch nie bei einer WM antreten, aber genau das ist der große Traum eines jeden Fußballers.«

Ziel und Zeitpunkt

Gerade erst hat sich auch Frankreichs großer Traditionsklub Olympique Marseille ins Werben um Baghdad Bounedjah eingeschaltet. Doch Algeriens Nationalcoach Djamel Belmadi, selbst einst als Profi bei OM am Ball, rät seinem Schützling von einem baldigen Sprung nach Europa ab: »Baghdad kennt meine Position: Er ist bei Al-Sadd gut aufgehoben. Aus Sicht der Nationalmannschaft besteht somit kein Interesse an einem Wechsel. Natürlich ist es sein Ziel, irgendwann in Europa zu spielen, aber für mich ist es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Schließlich steht der Afrika-Cup bevor. Wenn er jetzt nach Europa wechseln würde, müsste er sich dort erst einmal akklimatisieren, aber die laufende Spielzeit wird entscheidend für die Nominierungen sein. Deshalb sollte Baghdad vorsichtig sein.«

Klingt fast so, als würde der erfolgreichste Torjäger der Erde vorerst weiter in der Wüste wirbeln.