Wie Effenberg in Paderborn scheiterte

RTL-2-Tempo

Zwischendurch suspendierte Effenberg ein paar Spieler, in der Hoffnung, durch ein bisschen Strenge Disziplin in den wilden Haufen zu bekommen. Aber dann, im Winter-Trainingslager, spielten andere verrückt. Einer, Nick Proschwitz, soll sich sogar in einer Hotellobby vor einer PR-Mitarbeitern entblößt haben. Nun standen die Revolver- und Klatschblätter wieder Schlange, nun sagte niemand mehr, dass die Chemie stimme. Klubboss Finke forderte sogar, dass Effenberg liefern müsse, »denn wenn er nicht liefert, steigen wir ab«.

Aber was sollte Effenberg tun? Die komplette Mannschaft rausschmeißen? Sich selbst aufstellen? Erst mal ging es zum Rapport zu Finke, dann musste der vermeintliche Exhibitionist Proschwitz seine Sachen packen. Zwar hatte die angeblich Belästigte mehrfach wiederholt, gar nicht belästigt worden zu sein, aber das ging im Tohuwabohu irgendwie unter.

Kein Führerschein, kein Trainerschein, dafür ein Bootsschein
 
Sowieso nahm die Effenberg-Show spätestens jetzt RTL-2-Tempo auf. Im Februar wurde Effenberg für eine Alkoholfahrt aus dem September 2015 zur Rechenschaft gezogen: 30.250 Euro Strafe, elf Monate Führerscheinentzug. Anfang dieser Woche wurde öffentlich, dass Effenbergs Trainerlizenz nicht mehr aktuell ist. Er hätte sie im Rahmen von Fortbildungen auffrischen müssen, wofür ihm angeblich die Zeit gefehlt hat. Vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC bewies er zumindest eine Prise Selbstironie, vielleicht war es auch Galgenhumor: Er sagte, er habe keinen Führerschein, keinen Trainerschein, dafür aber einen Bootsschein.
 
Es half nichts. Das Schiff ging zwar im Wildpark nicht unter, aber es leckte weiterhin sehr stark, nach dem 0:0 steht Paderborn weiter auf Platz 17, fünf Punkte Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz.

Die Matthäus-Falle
 
Vor seinem Engagement in Paderborn hatte Effenberg über drei Jahre auf eine Chance als Trainer gewartet. Seine Frau machte einen Dirndl-Laden in München auf, er arbeitete als Experte bei Sky. Manchmal las man seinen Namen in den Medien, besonders dann, wenn auf Schalke oder in Hamburg ein neuer Trainer gesucht wurde. Am Ende nahmen sie alle Abstand von einer Verpflichtung Effenbergs, das Chaos in ihren Klubs wollten sie dann doch lieber anderen überlassen. Und so schien der Tiger dasselbe Schicksal zu erleiden wie Lothar Matthäus.
 
Wenn man sich heute, gut vier Monate nach Effenbergs erstem Spiel als Trainer, alte Aussagen noch einmal anschaut, muss man eigentlich sagen, das war’s. Etwa: »Bei mir wäre die Aufmerksamkeit doch riesengroß.« Oder: »Der erste Schuss muss sitzen.«
 
Am Ende bleiben nur drei Fragen: Bekommt er die Chance für einen Nachschuss? Wird er das im Juli stattfindende Volksfest Libori besuchen? Und findet die für den 1. April angekündigte Lesung von Claudia Effenberg in der Paderborner Buchhandlung »Linnemann« trotzdem statt? Wir fragen für einen Freund.