Wie dreiste Betrüger Trikotsammler reinlegen

Original und Fälschung

Wer heute Original-Trikots sammelt, muss zugleich Detektiv sein. Denn inzwischen werden auch Jerseys von früher gefälscht – mit immer raffinierteren Methoden.

11FREUNDE
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Vor elf Jahren wollte Jordi Cruyff etwas Gutes tun. Als er davon hörte, dass Oliver Kahn ein im Spiel getragenes Trikot zugunsten einer Drogensoforthilfe versteigerte, bot der Holländer eifrig mit. Dabei ging es ihm allerdings nicht allein um die gute Sache. Cruyff hatte von seinem berühmten Vater Johan einige alte Trikots bekommen und baute diese kleine Kollektion nun zu einer richtigen Sammlung aus. In der Regel geschah das natürlich durch Hemden, die er selbst auf dem Rasen mit einem Gegner tauschte. Doch 2007 sah es nicht so aus, als würde er noch mal die Chance bekommen, gegen Kahn zu spielen. So ergriff Cruyff Junior die Chance, ein so genanntes »Matchworn«-Trikot des deutschen Torwart-Titans bequem im Internet zu ergattern.

Der Holländer erhielt den Zuschlag und überwies das Geld. Einige Tage später trudelte ein Päckchen aus Deutschland in seinem Apartment in Barcelona ein. Darin befand sich in der Tat ein Torwart-Trikot des FC Bayern mit dem Namenszug Kahn. Doch bereits beim Auspacken wurde Cruyff stutzig. Das Hemd fühlte sich praktisch fabrikneu an, so gar nicht »matchworn«. Und dann stellte er fest, dass der Bundesliga-Aufnäher fehlte, den deutsche Profis bei Punktspielen auf dem rechten Arm tragen müssen.

Wenn die Kopie besser ist als das Original 

Nahezu jeder Trikotsammler kennt diesen Moment der Enttäuschung, gefolgt von der schmerzhaften Erkenntnis, einem Schwindler aufgesessen zu sein. Von denen gibt es nämlich mehr als genug – dreiste Fälscher, die nicht etwa  wertvolle Gemälde nachmachen, sondern verschwitzte Fußballer-Leibchen. Man erwartet sie vor allem in Asien, wo sich inzwischen scheinbar alles billig kopieren lässt. So besitzt der Memorabilien-Experte Hagen Leopold aus Kaiserslautern ein FCK-Trikot aus der Saison 2003/04, das einen weiten Weg hinter sich hat. »Eine mir bekannte Person hat es in einer Werkstätte in China in Auftrag gegeben«, sagt Leopold. »Er lieferte abends ein mitgebrachtes Original ab und man brachte ihm am nächsten Morgen die bestellten Kopien in drei Größen vorbei. Pro Stück lag der Preis unter fünf Euro. Das Verrückte ist, dass diese Kopien qualitativ besser sind als das Original! Weil so einige Hersteller in den letzten 15 Jahren sehr bescheidene Stoffqualitäten verwendet haben, kann es sein, dass ein Fälscher mit hochwertigerem Material arbeitet als der echte Ausrüster.«

Doch die Konrad Kujaus des Fußballs sitzen auch andernorts. Zum Beispiel in Brasilien. Dort bot vor einigen Jahren jemand über eine Auktionsplattform eine echte Rarität an: ein Originaltrikot von Joachim Streich, getragen bei der WM 1974 und veredelt durch die Unterschrift des Spielers. Natürlich war der Sammler Marcel Wedow aus Thüringen skeptisch, als er auf die Auktion stieß. Wie sollte ein DDR-Trikot nach Südamerika gekommen sein? »Der Verkäufer erklärte mir auf Nachfrage, dass sein Onkel 1974 Zeugwart der Brasilianer war«, erinnert sich Wedow. »Er hätte sich das Trikot damals gesichert und Streich um ein Autogramm gebeten.«