Wie Dortmund Leverkusen zerlegte

Reus in Form, Weigl alternativlos

3. Reus in Form

Reus hat sich nach seiner langen Verletzungspause schnell in die Mannschaft integriert. Gegen Schalke zeigte er jedoch – wie das gesamte Team – eine eher schwache Leistung. Stögers Ansatz, ihn als Zehner hinter Michy Batshuayi aufzustellen, ging schief. Die beiden eher tororientierten Spieler harmonierten nicht. Auch die Idee, in der zweiten Halbzeit Andre Schürrle neben Reus ins offensive Mittelfeld zu stellen, scheiterte.

Mit Philipp und Götze harmonierte Reus wesentlich besser. Philipp ist als Stürmer mobiler, weicht häufiger auf die Flügel aus als Batshuayi. Damit zog er gegnerische Verteidiger auf sich, was wiederum Räume für Reus öffnete. Dieser sprintete mit hoher Geschwindigkeit in den Strafraum. Die passenden Zuspiele kamen von Götze. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Leverkusen musste sich gegen Reus und Götze zentral zusammenziehen. Das öffnete wiederum Räume auf den Flügeln für Sancho, der gegen Leverkusen einen Sahnetag erwischt hat.

4. Julian Weigl: Mangels Alternative alternativlos

Julian Weigl ist in dieser Saison weit entfernt von seiner Bestform. Doch als tiefer Sechser ist er im Dortmunder Spiel nicht zu ersetzen, gerade wenn Stöger auf eine derart offensive Formation setzt. Er hat das Raumgefühl, die Vorstöße seiner Mitspieler abzusichern. Dank seiner Antizipation kann er die entstehenden Lücken schließen. 

Selbst wenn er hierbei mehr Fehler macht als in den vergangenen Spielzeiten: Sein Raumgefühl ist wesentlich besser als jenes von Gonzalo Castro. Nuri Sahin wiederum befindet sich in einer noch größeren Formkrise. Mangels Alternativen ist Weigl alternativlos.

5. Leverkusen spielt Dortmund in die Karten

Zu einem Fußballspiel gehören immer zwei Mannschaften. Dortmund mag gnadenlos effizient gekontert haben – Bayer Leverkusen lud sie dazu aber mit teils hanebüchenen Fehlern ein. Trainer Heiko Herrlich setzte ebenfalls auf eine äußerst offensive Formation, im 4-2-3-1 postierten sich die vier Angreifer weit vorne. Dadurch fehlte ihnen die defensive Solidität, um Dortmunds schnellem Umschaltspiel standzuhalten.

Das ist der kleine Wermutstropfen auf der starken Dortmunder Leistung: Nur wenige Gegner trauen sich, gegen den BVB mit derart offenem Visier zu kämpfen wie Leverkusen. Die kommenden Gegner, Werder Bremen und der FSV Mainz 05, werden ungleich defensiver stehen. Hier werden Lösungen im Ballbesitzspiel gefragt sein, zuletzt eher eine Dortmunder Schwäche. 

Wenn Stöger auch diese Facette des BVB-Spiels verbessert, dürfte sich der Unmut der Fans bald wieder besänftigen. Im Fußball können aus Versagern ganz schnell wieder Helden werden.