Wie Dortmund Leverkusen zerlegte

Versager brillieren

Nach der Derby-Pleite schlägt Borussia Dortmund Leverkusen mit 4:0. Hat Peter Stöger endlich die passende Formel für den BVB gefunden? Diese fünf Beobachtungen machen den BVB-Fans Hoffnung.

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Die Dortmunder Südtribüne hat etwas Mystisches. Dortmunds Gegner haben großen Respekt vor der beeindruckenden Stimmung, die Dortmunds Westfalenstadion ausmacht. Ein Großteil dieser Atmosphäre speist sich aus der Südtribüne: laut, roh, emotional. Dortmund und die Fans: eine Einheit.

Doch in einer Saison, in der in Dortmund so vieles zerfällt, bröckelt auch die Beziehung zwischen Mannschaft und Fans. Nach dem 0:2 gegen Schalke empfing die Südkurve ihre Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert. »Den Stellenwert des Derbys nicht verstanden – Versager« prangte auf einem großen Plakat.

Es dauerte keine 45 Minuten, da drehte sich die Stimmung in Dortmund. Denn beim 4:0 über Leverkusen zeigte der BVB die wahrscheinlich beste Leistung unter Trainer Peter Stöger. An welchen Stellschrauben hat Stöger gedreht? Und ist das der Beginn einer neuen Liebe zwischen Mannschaft, Trainer und Fans? Fünf Thesen zum Spiel.

1. Stöger entfesselt die offensive Power

Auch nach über einem halben Jahr als BVB-Trainer hat Stöger noch keine Stammelf gefunden. Woche vor Woche experimentiert er, das einzig Beständige ist die Unbeständigkeit. Gegen Leverkusen riskierte Stöger etwas: Kapitän Marcel Schmelzer verbannte er auf die Tribüne. Dafür entfesselte er auf dem Feld die totale Offensivpower.

Marco Reus und Mario Götze agierten als Doppelzehn im offensiven Mittelfeld hinter Stürmer Maximilian Philipp, dazu Jadon Sancho und Christian Pulisic auf den Flügeln: Stöger schickte fünf absolut offensive Kräfte auf den Platz. Hinter den fünf offensiven Kräften stellte Stöger defensiver auf: Julian Weigl sicherte die Vorstöße als alleinigen Sechser ab, Manuel Akanji ersetzte als gelernter Innenverteidiger den ungleich offensiveren Schmelzer. Fünf offensive Kräfte, fünf defensive Kräfte – eine klare strategische Aufteilung, aber auch ein mutiger taktischer Plan mit viel Offensivpower.

2. Dortmund kann kontern

Fünf eher offensive Kräfte, fünf eher defensive Kräfte: Dortmunds Formation war auf dem Papier zweigeteilt. Auch in der Praxis verteidigte Dortmund mit nur der Hälfte der Spieler, der Rest postierte sich recht weit vorne für den schnellen Umschaltmoment. Dortmund fokussierte sich stärker als zuletzt darauf, nach Ballgewinnen sofort die Offensivkräfte einzusetzen.

Mit diesem eher konterorientierten Ansatz fühlte sich Stögers Mannschaft merklich wohler. Leverkusen, ebenfalls mit einer offensiven Formation angetreten, hatte die Mehrheit des Ballbesitzes. Dortmund spielte jenen Fußball, mit dem Stöger Köln in die Europa League geführt hat: Tief lauern, Ball gewinnen, schnell umschalten.