Wie die spanische Liga ihre Fans ausspioniert

Großer Bruder Liga

Spaniens Ligaverband gehen Millionen Euro verloren, weil Kneipenbesitzer keine Lizenzen bezahlen. Also missbraucht die Liga ihre Fans als Spione. Mit einer umstrittenen App.

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Zu den Besonderheiten des spanischen Fußball-Kosmos gehört, dass es kaum möglich ist, ein Ergebnis zu verpassen. Beim Flanieren durch die Straßen und Gassen gibt es immer eine Bar, ein Café oder ein Restaurant, in dem ein Bildschirm aufgestellt ist, auf dem die Spiele der Primera Division zu sehen sind. Beinahe jede Begegnung wird zu unterschiedlichen Zeiten angepfiffen, damit möglichst jeder Klub exklusiv und live gezeigt werden kann. Fußball ist ein öffentliches Kulturgut, finden die Spanier. Beim Cortado am Morgen, beim Vino am Abend oder beim Genießen von Tapas – La Liga läuft immer.

Eine App gegen TV-Piraterie

Nur, und das ist das große Problem, welches der spanische Ligaverband LFP hat, nicht immer legal. Wer als öffentliche Einrichtung Fußball der Profiligen zeigen will, benötigt dafür eine Lizenz. Und die ist teuer. Genau wie in Deutschland, wo Gastwirte Gebühren an den Pay-TV-Sender Sky bezahlen müssen, wenn sie dessen Rechte nutzen. Mit der Zahlungsmoral einiger Gastronomen in Spanien sehe es aber nicht so gut aus, findet die Liga. Rund 150 Millionen Euro gehen ihr laut eigenen Angaben jährlich aufgrund von illegalen Übertragungen verloren.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu bieten, hat der Verband eine höchst umstrittene Maßnahme ergriffen. Er spioniert. Mithilfe einer App. Um die App benutzen zu können, ist eine der üblichen Einverständniserklärungen vonnöten. Klickt der Benutzer »Ich stimme zu«, ist es der LFP möglich, die Mikrophone der Mobiltelefone zu aktivieren. Über die lässt sich dann hören, ob an dem Ort, an dem sich die Person befindet, Ligafußball gezeigt wird. Wo sich derjenige gerade aufhält, lässt sich über die Lokalisationsfunktion des Telefons verfolgen. Inhalte und Aufzeichnungen werden nicht gespeichert, versichert die Liga auf Nachfrage von eldiario.es. Die App werde nur in Spanien benutzt und»„einzig gegen die Piraterie in öffentlichen Lokalen« eingesetzt. Mit den neuen Datenschutzrechtlinien der Europäischen Union geht die App kaum konform.

Mannschaft schützen - Auf Datenschutz verzichten!

Bei der Liga versucht man, die aufkommende Empörung herunterzuspielen. Schließlich habe man das Thema doch nie verheimlicht. Tatsächlich heißt es ganz am Ende der Einverständniserklärung zur Benutzung der App. »Schütze deine Mannschaft! Wenn du hier klickst, akzeptierst du, dass La Liga deine persönliches Daten benutzt, inklusive derer, die sie über das Mikrophon deines Handys erhält um Betrügereien im Zusammenhang mit der Nutzung von Fußball in öffentlichen Einrichtungen aufzudecken, die dafür nicht befugt sind.«

Der Anwendungsbereich geht über das bloße Abhören hinaus. Die Technik kann automatisch auf Plattformen wie Youtube zurückgreifen und auch dort rechtliche Verstöße orten. Stellt jemand jemand zum Beispiel Videos mit Liedern ein, an denen die Rechte urheberrechtlich geschützt sind, entfernt ein Algorithmus sie sofort.

Der Jurist Jorge Morell, der die App ebenfalls benutzt, twittert: »Der Umgang mit Daten verwandelt dein Telefon in eine Petze.« Was sich in diesem Fall niedlicher anhört, als es ist.