Wie die reichste Liga der Welt ihre Arbeiter ausbeutet

Zum Leben zu wenig

Rekordumsatz, Rekordgehälter: Die Premier League boomt. Bei den Arbeitern kommt davon aber nichts an. Die große Mehrheit der Klubs zahlt ihren Angestellten weniger als den Mindestlohn.

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Zum 25-jährigen Jubiläum hat sich die Premier League selbst reich beschenkt. Der neue TV-Vertrag spült in den nächsten drei Jahren 8,3 Milliarden Pfund in die Kassen der Klubs, die Ablösesummen sind auf einem Rekordhoch, ebenso die Gehälter: Ein Spieler in der Premier League verdient durchschnittlich 2,3 Millionen Pfund im Jahr. Neben all den finanziellen Superlativen hat die Liga zum Auftakt auch noch einen spektakulären Spieltag hingelegt, sportlich dürfte die neue Jubiläumssaison durchaus spannend werden. Man könnte also sagen: So lässt es sich leben. 

Oder eben nicht. 

Denn wenn man nicht gerade als Spieler auf dem Platz steht, als Trainer an der Seitenlinie oder zumindest Teil des Staffs, der Geschäftsführung oder der Administraion ist, ist es mit dem Leben so eine Sache. Aktuelle Recherchen des »Telegraph« zeigen, wie es mit den Finanzen aussieht, sobald man als einfacher Arbeiter im und um die Stadien der Premier League angestellt ist. Ordner, Putzkräfte, Servicemitarbeiter – all die tausenden von Helfern, ohne die ein Spieltag nicht funktionieren würde, werden ausgebeutet.

Über vier Millionen Menschen leben vom Mindestlohn

In England gilt ab dem 25. Lebensjahr ein gesetzlicher Mindestlohn von 7,20 Pfund. Bis 2020 soll dieser zwar auf bis zu 9 Pfund wachsen, Organisationen wie die »Living Wage Foundation« halten den gesetzlichen Mindestlohn allerdings für unzulänglich und berechnen anhand von Wohnkosten, Kommunalsteuer und anderen Lebenshaltungskosten einen »fairen« Mindestlohn, der zum Leben reicht. In London läge dieser laut LWF bei 9,75 Pfund. Rund 25 Prozent mehr als der gesetzliche.

Über vier Millionen Menschen leben in England vom Mindestlohn, da kann ein Viertel mehr einen großen Unterschied machen. Zahlreiche Unternehmen zahlen den unabhängig errechneten Mindestlohn freiwillig, laut »Telegraph« haben in der Vergangenheit auch sämtliche Klubs der Premier League ihre Bemühungen beteuert, den LWF-Mindestlohn zu zahlen. Die Realität sieht allerdings anders aus. Lediglich Chelsea und Everton zahlen den LWF-Lohn. Die Mehrzahl der Klubs übergibt Aufträge im Niedriglohnbereich an Sub-Unternehmen, die nur den nationalen Mindestlohn zahlen. Manche Klubs sparen sich sogar diesen Umweg: Der FC Liverpool etwa bietet Stellen auf seiner Homepage ganz öffentlich zu 7,50 Pfund die Stunde an. Der unabhängig errechnete Mindestlohn in Liverpool liegt bei 8,45 Pfund. 

»Es ist obszön«

So machen sich die Vereine rein gesetzlich die Hände nicht schmutzig. Moralisch ist der Umgang der Klubs mit ihren billigsten Arbeitskräften jedoch eine Bankrotterklärung. »Citizens UK«, die Vereinigung hinter der »Living Wage Foundation« äußerte sich nach den Recherchen schockiert: »Es ist obszön, dass manche Fußballer und ihre Agenten Jahr für Jahr Millionen verdienen, währen die Geringverdiener am selben Arbeitspatz kämpfen müssen, um ein Dach über dem Kopf zu haben und ihre Familien ernähren zu können.« 

Die Klubs schweigen unterdessen, immerhin aber wächst der politische Druck. So hat Londons Bürgermeister Sadiq Khan die Premier-League-Klubs schriftlich gebeten, mit gutem Beispiel voranzugehen und den für London kalkulierten Mindestloh zu zahlen. Die Rückmeldungen waren laut eines Sprechers positiv. Und vielleicht findet sich ja irgendwo in den 8,3 Milliarden ein kleiner Posten für die Ordner, Putzkräfte und Servicemitarbeiter. 

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