Wie die Niederlande Rassismus im Stadion bekämpfen wollen

Rassisten auf die Leinwand?

Die Bilder des weinenden Ahmad Mendes Moreira von Excelsior Rotterdam schockten die Welt. Nun gehen die Niederlande radikal gegen Rassismus vor – zu radikal?

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Auf den ersten Blick ist diese Idee vor allem eines: völlig befremdlich. Die Niederlande wollen rassistische Fans und deren Kundgebungen in Zukunft großformatig auf die Video-Leinwände der Stadien bringen – wenn möglich, sogar in Echtzeit. Wie gesagt, auf den ersten Blick wirkt das völlig befremdlich, aber auf den zweiten Blick gar nicht so sehr: Ziel der Maßnahme ist es nämlich nicht, den Verblendeten ein Forum zu bieten, sondern sie zu spiegeln und öffentlich vorzuführen. Sie aus der Anonymität der Kurve zu reißen und ihre hassverzerrten Gesichter für alle kenntlich zu machen.

Dieser von der niederländischen Regierung und vom Verband KNVB erarbeitete Radikal-Vorschlag ist das Resultat eines nationalen Krisengipfels, der nach den verheerenden Rassismus-Vorfällen rund um den bitter weinenden Ahmad Mendes Moreira einberufen worden war. Zur Erinnerung: Rund zwei Wochen ist es her, dass der dunkelhäutige Profi von Excelsior Rotterdam während des Zweitliga-Spiels beim FC Den Bosch (3:3) aufs Übelste diskriminiert worden war. Wann immer Mendes Moreira den Ball berührte, ertönten auf den Tribunen tumbe Affenlaute und gehässige Lieder über den »Zwarte Piet« (zu deutsch: »Schwarzer Peter«, dunkelhäutiger Kompagnon des niederländischen Nikolaus; d. Red.).

»Ein sehr schwerwiegender Vorfall«

Es war nicht der erste Vorfall dieser Art im niederländischen Fußball. Und ganz sicher nicht der letzte. Zum Glück aber setzte der Schiedsrichter in 's-Hertogenbosch (umgangssprachlich Den Bosch genannt) ein klares Zeichen und unterbrach die Partie wegen der rassistisch motivierten Auswüchse – ein absolutes Novum im Land von Ruud Gullit, Frank Rijkaard, Edgar Davids und Clarence Seedorf. Und ein kleiner Fortschritt. Immerhin. 

Doch um die rassistischen Hohlköpfe zum Schweigen (und vielleicht sogar zum Nachdenken) zu bringen, braucht es offenbar noch ganz andere, viel weiter reichende Maßnahmen. Da sind sich die niederländische Regierung um Ministerpräsident Mark Rutte und die Verbandsbosse einig. »Das war ein sehr schwerwiegender Vorfall«, sagt Rutte über die Causa Mendes Moreira. »Wir alle wissen, dass es Rassismus gibt. Aber ein Spieler, der weinend vom Feld geht, das will niemand. Es gibt jetzt eine Aufgabe für die Regierung und den KNVB.«