Wie die Nationalmannschaft zu retten ist

Raab, übernehmen Sie!

Seit Samstagabend sollte auch dem Letzten klar sein: Die Nationalmannschaft braucht vor der Weltmeisterschaft in Südafrika dringend frischen Wind. Deshalb muss Stefan Raab die Kickerelite in elf Lenas verwandeln. Wie die Nationalmannschaft zu retten istImago Manchmal sagen Sendeplätze mehr über Samstagabend-Unterhaltung aus, als man glauben mag.

Auf dem Zweiten schob sich die deutsche Fußballelite gegen Ungarn 90 Minuten lang müde den Ball zu. Das Stadion: halbvoll. Die Stimmung: halbleer. Und die Mannschaft strahlte so viel Energie aus wie eine verdorrte Zimmerpflanze. Endstand des, gähn, Spiels: 3:0.

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Bundestrainer Löw gab im Anschluss gewohnt phrasenschwer zu, dass dieses Spiel wenig Erkenntnis über die endgültige Form seiner Mannschaft für das anstehende Weltturnier gegeben habe. Zum Glück, schließlich mühte sich Lukas Podolski weite Teile der zweiten Hälfte im defensiven Mittelfeld ab. Alles wirkte ein bisschen träge, schwer und müde. Mit Verlaub, dieses Testspiel hat selbst den hartgesottensten Anhänger unserer Elf mindestens einmal zur Fernbedienung greifen lassen.

Denn auf dem Ersten jubelten fast zeitgleich Zehntausende – fahnenschwenkend, irgendwie Sommermärchen mäßig – einer quietschvergnügten 19-Jährigen zu, deren Auftritt beim Eurovision Song Contest kurzum zur nationalen Aufgabe ausgerufen wurde. Lena, wie wir sie nennen dürfen, überrannte die Konkurrenz auf dem Weg zu Europas Gesangsthron in einer Leichtigkeit, die man von unserer Nationalmannschaft nicht kennt. Und der Vater des märchenhaften Erfolgs der Abiturientin aus Hannover heißt: Stefan Raab.

Wo Raab ist, ist meist oben

Wie kein Zweiter schafft es der Metzgersohn aus Köln-Sülz scheinbar müde Ideen in grenzenlos erfolgreiche Massenveranstaltungen zu verwandeln. Raab, die Rampensau im Menschengewand, eroberte einst mit einem Lied namens »Maschendrahtzaun«, in dem es um, nun ja, einen Maschendrahtzaun ging, die Spitze der deutschen Charts. Raab jagt C-Prominenz, in Pfannen sitzend, Bobbahnen hinunter und bricht damit Zuschauerrekorde. Und Raab machte zuletzt einen öden Gesangswettbewerb mit der Spritzigkeit des Musikantenstadls zu einem nationalen Happening. Kurzum: Raab macht aus wenig viel. Böse Zungen würden behaupten: Er macht aus Scheiße Gold. 

Wer, wenn nicht Raab?

Darum fordern wir: Stefan Raab muss ohne Umschweife unsere Nationalmannschaft übernehmen. Denn wer sonst soll unsere müden Jungnationalspieler zu Höchstleistungen anstacheln? Wer sonst soll die kritische Fangemeinde zu euphorischen Luftsprüngen animieren? Wer, wenn nicht Raab? Seine erste Amtshandlung: Lena ist neben Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld gesetzt. Der Plan wird den Weltfußball überrumpeln: Lena betört mit ihrer quietschigen Schusseligkeit die gegnerische Elf, während die anderen Zehn irgendwie versuchen müssen, den Ball über die gegnerische Linie zu drücken.

Ersteres wird sicher gelingen, beim zweiten Teil hilft wohl nur kollektives Daumendrücken. Löw, dem die Amtsmüdigkeit trotz aller Starkmacherparolen aus jeder Pore quillt, könnte sich nach all dem Stress der letzten Monate entspannt zurückziehen und Raab beim Triumphzug beratend zur Seite stehen.

Die WM wird dann einfach von ProSieben übertragen. Oder von RTL2. Denn wie gesagt: Manchmal sagen Sendeplätze mehr über den Unterhaltungsfaktor als alles andere.