Wie die Liga die Bayern schlagen kann

Macht kaputt, was euch kaputt macht!

Nach dem 0:0 gegen Frankfurt jammern die Bayern über die Defensivtaktik des Gegners. Dabei sollte sich die Liga an der Eintracht ein Beispiel nehmen.

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Wir wissen leider nicht, wer der Kabinen-DJ der Frankfurter Eintracht ist, und es ist auch nicht so wichtig. Aber in unserer Fantasie legte Carlos Zambrano am Freitagabend Ton Steine Scherbens »Macht kaputt, was euch kaputt macht« auf, um das Team einzuschwören. Bevor die Spieler dann, voller revolutionärem Tatendrang, aufs Spielfeld gingen und den großen FC Bayern mit einer konsequenten Defensiv-Taktik an den Rand der Verzweiflung brachten.

Wie genervt die Spieler des FCB vom Frankfurter Beton waren, zeigte sich in den arg dünnhäutigen Interviews nach dem 0:0. »Jede Woche denkt man: Es geht nicht defensiver. Und dann kommt noch eine Mannschaft, die defensiver spielt«, nölte Philipp Lahm, nachdem seine Supertruppe das erste mal in dieser Saison in der Liga Punkte hatte liegen lassen. »Das ist kein Fußball«, jammerte Arturo Vidal, seinerseits übrigens mit Herz und Seele Zerstörer des schönen Spiels.

»Die Spreizung geht immer weiter auseinander«

Dabei haben es die Frankfurter genau richtig gemacht. Die absurde Bevorteilung der Champions League-Klubs hat in Deutschland dazu geführt, dass der FC Bayern der Konkurrenz auf Nimmerwiedersehen enteilt ist. »Natürlich freuen wir uns über diesen Punkt. Aber in den Jubel mischt sich auch ein bisschen Bedauern. Die Spreizung geht immer weiter auseinander«, sagte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen nach Spielschluss.

Damit rührt er am Kern des Problems, seine Mannschaft indes am Kern der Lösung. Der Spreizung zwischen den Bayern und der Liga ist nämlich nicht mehr konstruktiv beizukommen, sondern nur noch destruktiv. Macht kaputt, was euch kaputt macht, das heißt, mauert euch ein, stellt euch mit zehn Mann in den Strafraum und zerstört das Spiel der Bayern. Ackert für den einen Punkt und hofft auf den einen Konter. Wer versucht, mit dem FCB mitzuspielen, kriegt vier, fünf Stück, selbst wenn es sich dabei um Dortmund oder Wolfsburg handelt, die dem FCB in der Tabelle folgen. Wer kaputt macht, wird belohnt. Und auch, wenn das einzelne Spiel nicht eben attraktiver dadurch wird, die Liga wird es bestimmt. 

Die Fans feierten das 0:0 wie einen Sieg

Denn was passiert wohl, wenn die Bayern in den verbleibenden sechs Spielen bis zu Winterpause drei, viermal unentschieden spielen? Plötzlich wäre die Spannung in der Liga zurück. Das Frankfurter Publikum goutierte die defensive Ausrichtung der Mannschaft übrigens mit ohrenbetäubendem Applaus und feierte das 0:0 wie einen Sieg. Nur falls der ein oder andere Bundesligatrainer Bedenken haben sollte.

Bis zu ihrem Hit waren Ton Steine Scherben übrigens fast unbekannt. Erst als sich ihre Debütsingle 1970 in weniger als einem halben Jahr mehr als 6000 Mal verkaufte, waren sie als Band auf der Landkarte. »Macht kaputt, was euch kaputt macht«, war also schon damals ein Erfolgsrezept. Dass es darin paradoxerweise um Kapitalismuskritik ging, ist allerdings eine andere Geschichte.