Wie die Fans von Rayo Vallecano einen »Nazi-Neuzugang« vertrieben

Fotos mit Maschinengewehr

Roman Zozulya streitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nach seiner Ankunft in Vallecas vehement ab. In einem ebenfalls offenen Antwortbrief an die Rayo-Fans erklärte er: »Leider kam es bei meiner Ankunft in Spanien im vergangenen Sommer zu einem grundlegenden Missverständnis, ausgelöst durch einen Journalisten, der sehr wenig über mein Land und meinen eigenen politischen Hintergrund weiß. Als ich am Flughafen von Sevilla landete, trug ich ein T-Shirt, das mit einem ukrainischen Wappenschild und einigen Textzeilen des Poeten Taras Schewtschenko bedruckt war. Aber ich unterstütze weder irgendeine paramilitärische Organisation, noch eine nationalsozialistische Idee.«

Während Taras Schewtschenko († 1861) als Goethe der Ukraine gilt, ist die von den Rayo-Fans ins Feld geführte paramilitärische Organisation mit äußerster Vorsicht zu genießen: »Prawy Sector« nennt sich der ultrarechte Haufen, der auch im Winter 2013/14 bei den Majdan-Protesten gegen die russische Einflussnahme in der Ukraine auftrat. Der »Prawy Sector«, auch als politische Partei aktiv, soll zahlreiche Kämpfer in den schwelenden Bürgerkrieg in der Ost-Ukraine entsendet haben.

Fotos mit Maschinengewehr und Frontbesuch

Internet-Aktivisten aus dem Umfeld der Rayo-Fanszene behaupten steif und fest, Zozulya habe des Öfteren seine Sympathie für den »Prawy Sector« bekundet. Schon bei Real Betis hatten Teile der dortigen Fanszene den Ukrainer als »Rechtsradikalen« bezeichnet. Unstrittig ist jedenfalls, dass Zozulya immer wieder Schnappschüsse von sich in Militärkleidung und mit Maschinengewehren gepostet hat. Auch ein Foto von einem Frontbesuch des Profis bei der regulären ukrainischen Armee fand sich im Netz.

Allgemein ist die politische Großwetterlage in der kriegs- und krisengeplagten Ukraine eher donnernd. Seit der russischen Annexion der Halbinsel Krim und dem mutmaßlich von Putin befeuerten Aufstand russischer Separatisten im Osten des Landes sind die Übergänge zwischen Patriotismus und Rechtsextremismus fließender denn je. Irgendwo in diesem Spektrum dürfte auch Zozulya anzusiedeln sein. Er selbst bezeichnet sich gern als »vaterlandstreu«. 2015 versteigerte Zozulya sein Trikot aus einem Länderspiel gegen Spanien zugunsten der nationalen Streitkräfte.

»Roman, du bist eine Kanone«

Bei den Fans seines Ex-Klubs Dnjepr Dnjepropetrowsk, der 2015 immerhin das Europa-League-Finale erreichte (2:3 gegen den FC Sevilla), war der Stürmer wegen dieser Haltung äußerst beliebt. Ihm zu Ehren sangen sie: »Roman, du bist eine Kanone!« Als Dank salutierte er beim Torjubel in Richtung Kurve.

Auch sonst fiel Roman Zozulya nicht gerade durch übertriebenen Pazifismus auf: 2014 verpasste er Tottenhams Jan Verthongen in einem Europa-League-Spiel eine Kopfnuss und sah folgerichtig die Rote Karte. Nur das beherzte Einschreiten seiner Mitspieler konnte Zozulya anschließend von einer weiteren Attacke gegen den Belgier abhalten.



Aber ein Nazi? »Das war doch alles nur ein Missverständnis«, hatte Klubdirektor Luis Yanez zunächst gegenüber dem Radiosender COPE erklärt. »Es gibt keinerlei Neonazi-Links.« Der Spieler selbst fügte brav an, er identifiziere sich »mit den Werten, für die Rayo Vallecano steht«. Und: »Ich liebe den Verein und seine Fans!«

Doch diese Liebe war äußerst einseitig. Roman Zozulya ist wieder abgereist aus Vallecas. Die Fans haben triumphiert.