Wie die Fans von Rayo Vallecano einen »Nazi-Neuzugang« vertrieben

Der Fall Roman Zozulya

Am Deadline-Day verpflichtete Rayo Vallecano den Ukrainer Roman Zozulya. Tags darauf sorgen die Fans dafür, dass er umgehend zurückgeschickt wird.

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Auf den ersten Blick war es bloß einer von vielen Deadline-Day-Deals in Spanien. Im letzten Moment war der ukrainische Nationalspieler Roman Zozulya durch das nur mehr halb offene Transferfenster gehechtet. Der Stürmer war vom Erstligisten Real Betis aus Sevilla zu Rayo Vallecano in die Hauptstadt gewechselt – leihweise, bis zum Saisonende.

Doch Zozulya ist bereits zurück in Sevilla – weil Rayos traditionell linksgerichtete und antifaschistisch engagierte Anhänger Sturm gelaufen waren. Was unter den Klubbossen scheinbar niemand gewusst hatte: Der 27-jährige Zozulya ist zwar sportlich im Angriffszentrum zu Hause – politisch soll er jedoch am äußersten rechten Rand agieren.

Die Anhänger lieferten Fotos

»Bei Rayo ist kein Platz für Nazis! Raus hier!«, hieß es deshalb auf einem riesigen roten Banner, das am Mittwochmorgen am Vereinsgelände flatterte. Roman Zozulya, am Vortag frisch verpflichtet, ließ sich derweil nicht am Trainingsplatz blicken. Vermutlich wollte das Rayo-Management abwarten, bis sich die Lage beruhigt hätte. Doch dann kam alles anders. Bereits am selben Tag verkündete der abstiegsbedrohte Zweitligist die Rückabwicklung des Zozulya-Transfers. Betis-Sportdirektor Miguel Torrecilla bestätigt: „Er kommt zunächst mal zurück, dann sehen wir weiter.«

Führende Köpfe aus der Rayo-Fanszene hatten den Klub bereits vor der Unterzeichnung des Leihgeschäfts darauf hingewiesen, dass der umworbene Zozulya in seiner Heimat Ukraine wiederholt als offener Sympathisant einer rechtsextremen paramilitärischen Gruppierung aufgetreten sei. Die Anhänger lieferten sogar Foto-Indizien. Doch die Rayo-Führung zog den Deal zunächst beinhart durch.

»Wir wollen solche Typen hier nicht haben«

Die Aficionados tobten! »Wir Angehörigen der Fanszene von Rayo Vallecano wollen solche Typen nicht hier haben – weder auf dem Spielfeld, noch auf den Rängen«, hieß es in einem offenen Brief an die Klubführung und den vermeintlichen »Nazi-Neuzugang«. Und: »Dieser Transfer ist beschämend.« Plötzlich drohte dem Underdog-Verein aus dem Madrider Einwanderer-Viertel Vallecas – zusätzlich zum aufreibenden Abstiegskampf – auch noch ein deftiger Dauerkrach mit den eigenen Fans.

Und das alles für einen »Torjäger«, der es in der Hinrunde auf kümmerliche sechs Einsätze in der Primera División gebracht hatte? Mit einer Null-Treffer-Ausbeute? Die Rayo-Verantwortlichen ahnten wohl, dass sie einen Fehler gemacht hatten, setzten sich in Windeseile mit Betis in Verbindung und einigten sich auf eine schnelle Rückabwicklung des Deals. Die Leihe hätte ohnehin niemandem genützt, wenn der Spieler aufgrund massiver Fanproteste keine Einsätze bekommen hätte.