Wie die Fans von Leyton Orient gegen den eigenen Investor protestieren

Spielabbruch? Keine Chance!

In England regt sich immer mehr Protest gegen Investoren. Bei Leyton Orient versuchten die Fans am Wochenende, mit einem geplanten Platzsturm einen Spielabbruch zu erzwingen. Doch der Verband reagierte: mit einem heimlichen »5-Minuten-Spiel«.

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Eine rote Rauchbombe war das Signal. Das Signal, über die Banden zu springen. Fans des Viertligisten Leyton Orient haben am Samstag den Platz gestürmt. Sie taten das nicht aus Freude über den Aufstieg, wie es in anderen englischen Stadien vorkam. Leytons Fans wollten den Spielabbruch erzwingen – aus Protest gegen den verhassten italienischen Klubbesitzer Francesco Becchetti. Tausende Fans rannten in der 85. Minute auf den Rasen, um damit das letzte Heimspiel der Saison eigenmächtig zu beenden.

Doch die Football League (EFL) griff in die Trickkiste. Sie teilte zwar mit, dass das Spiel abgebrochen worden sei, doch in Wirklichkeit sollten die Spieler die verbliebenen fünf Minuten einfach in einem leeren Stadion absolvieren. Es klingt absurd: Die Spieler warteten also, bis alle Fans nach Hause gegangen waren und kehrten dann für fünf Minuten auf den Rasen zurück.

Seit 2014 zehn Trainer verschlissen



Dieser fingierte Abbruch erregte die Fans von Leyton Orient nur noch mehr. Ihr streitbarer Protest gegen den Klubbesitzer mit dem geplanten Abbruch verpuffte also auf den ersten Blick. Leyton ist nach einer desaströsen Saison in den Amateurfußball abgestürzt, die Fans machen den Millionär und Klubbesitzer Becchetti und seine Mitarbeiter dafür verantwortlich. Seit seiner Übernahme 2014 hat er zehn Trainer verschlissen. Dem Verein droht im Juni die Insolvenz wegen ausstehender Schuldzahlungen. Überdies warten Spieler und Mitarbeiter seit geraumer Zeit auf ihre Gehälter.

Die Anhänger rechnen mit dem Schlimmsten und haben bereits gesammelt. Sie wollen einen eigenen mitgliedergeführten »Phoenix-aus-der-Asche«-Klub gründen, für einen Fond kamen bereits über 140.000 Pfund zusammen. Vor dem Spiel am vergangenen Samstag hatten sie sich in einem angrenzenden Park getroffen, um Reden von Fans und Lokalpolitikern zu lauschen. Ein Abgeordneter der Labour Party versprach, dass das Heimstadion Brisbane Road nicht verkauft werde. Leyton spielt im Osten Londons. Die derzeitige Jagd von Investoren nach wertvollem Grundbesitz in der Stadt würde wohl gerade vor dem Stadion nicht Halt machen, fürchten viele Anhänger des Klubs.