Wie die Champions League reformiert werden soll

Großer Bruder Amerika

Allerdings deutete Agnelli schon an, dass viele Bausteine, die in den Plänen aufgeführt wurden, durchaus realistisch seien. Zum Thema Auf- und Abstieg sagte er: »Dieses System der Relegation ist im europäischen Fußball ja nichts Neues. Schon jetzt steigt der Sieger der Europa League in die Champions League auf. Die Champions League könnte durchaus auf Auf- und Abstieg fußen.« Ebenso nebulös gab er sich bei den Wochenendterminen: »Es gibt ja schon ein Wochenendspiel, und das wird sicherlich am Wochenende bleiben.« Und meinte damit das Champions-League-Finale. Nach diesem Duktus wären weitere Termine am Wochenende ja auch nichts Neues.

Die Lücke zur NFL schließen

Denn auch wenn Agnelli betonte: »Namensgebung ist wichtig, aber es ist keine Super League.« So läuft weiterhin alles darauf hinaus. Warum er und seine Kollegen von Europas Topklubs diese exklusive Liga so vehement wollen, gab Agnelli unumwunden zu: »Wir wollen weiter ein gesundes Wachstum des europäischen Fußballs. Wir wollen mit der Champions League die Lücke zur National Football League im American Football schließen.«

Die Spitzenvereine wollen also unbedingt weiter noch mehr Geld verdienen. Dass die nationalen Ligen darunter leiden würden, nehmen wohl vor allem die Vertreter aus Italien, Spanien und Frankreich billigend in Kauf. Von den deutschen Topklubs hat sich dazu noch keiner nach vorne gewagt. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kämpft natürlich für die bisher starke Position der Bundesliga. DFL-Chef Christian Seifert hatte außerdem Europapokalspiele am Wochenende als »rote Linie« bezeichnet.

ECA gegen die FIFA

Für Agnelli und seine Mitstreiter hat eine aufgeblähte und längere Champions League noch einen weiteren Nutzen. Wenn die besten Mannschaften Europas schon während der Saison ständig gegeneinander spielen, wäre auch eine vergrößerte Klub-WM im Sommer weiterhin nahezu bedeutungslos. Denn gegen diese Fifa-Entscheidung, das Klubturnier von 2021 an auf 24 Teams zu erweitern, hatte sich die ECA ja deutlich positioniert. Auch wenn Real Madrid und Bayern München dem Fifa-Turnier doch nicht so abgeneigt zu sein scheinen, betonte Agnelli am Dienstag: »Wir sind derzeit nicht bereit, an diesem Wettbewerb teilzunehmen.«

Und so amüsierte er sich eher über all die Gerüchte zur Champions League und sagte zu den Journalisten: »Ihr habt noch viel Zeit zum Spekulieren.« Er genießt ja nunmal das Privileg, dass ihm all die Ideen zuerst präsentiert werden.