Wie die Champions League entstand

Sie sind die Besten

Fluch oder Segen? 1993 erfanden zwei deutsche Vermarktungsprofis die Champions League. Und veränderten den Fußball damit für immer.

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Die größte Revolution in der jüngeren Geschichte des Fußballs begann im Frühjahr 1993 in einem Hotel im Tessin und war eigentlich ein Akt der Notwehr. Jedenfalls empfand es Lennart Johansson so, der damalige Präsident des europäischen Fußballverbandes UEFA. Ständig musste er sich in jener Zeit mit den großen europäischen Klubs herumschlagen, die mit der Gründung einer Europaliga drohten. Sie waren vor allem unzufrieden damit, dass sie im Europapokal der Landesmeister zu wenig Geld verdienten. 

Silvio Berlusconi, der damals noch keine politischen Ambitionen, aber bereits den AC Mailand gekauft hatte, um das Geschäft mit seinen Fernsehsendern voranzubringen, führte den Widerstand an. Aber auch in Madrid oder München grollte man über die UEFA. Unter diesem Druck hatte Johansson im Jahr zuvor die etwas konfuse Verwandlung des Landesmeisterpokals in die Champions League auf den Weg gebracht. In der Saison 1991/92 gab es erstmals nicht mehr nur K.o.-Runden. Die letzten Acht des Wettbewerbs spielten in zwei Vierergruppen die beiden Endspielteilnehmer Sampdoria Genua und den späteren Sieger FC Barcelona aus. »Alles Käse«, knurrte Uli Hoeneß. Denn so richtig durchdacht war das noch nicht und vor allem: Es brachte nicht mehr Geld.

Reihenweise Privatsender, die ordentlich zahlen wollten

Also beauftragte der Schwede Johansson zwei deutsche Vermarktungsprofis damit, sich etwas wirklich Neues auszudenken. Jürgen Lenz und Klaus Hempel zogen sich in den Süden der Schweiz zurück und bastelten vier Wochen lang am Fußball der Zukunft. Klar war, dass es großes Interesse an Fußball im Fernsehen gab, denn in fast allen europäischen Ländern war das Monopol der öffentlich-rechtlichen Sender gefallen. Es gab reihenweise Privatsender, die auf der Suche nach einem Publikum unbedingt Fußball zeigen wollten und auch bereit waren, dafür ordentlich zu bezahlen. 

Allerdings waren Fußballrechte ein chaotisches und frustrierendes Geschäft, weil letztlich um jedes einzelne Spiel neu verhandelt werden musste. »Die Zeit vor der Champions League war eine des Pferdehandels, des schnellen Deals ohne Qualität und Kontinuität«, sagte Jürgen Lenz später. Planbar war weder für die Sender etwas noch für Zuschauer, die mitunter erst am gleichen Tag erfuhren, dass ein Europapokalspiel im Fernsehen gezeigt wurde. Das sollte sich nun ändern – und damit alles.

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