Wie die Berlin-Liga in einen nordirischen Pub kam

»Fucking great!«

2000 Fans, Livestream, Ticker – das Sechstligaspiel zwischen Tennis-Borussia und Tasmania Berlin war ein großes Spektakel. Sogar in Bolivien und Nordirland.

Fabian Scheler

Manchmal braucht es nicht viel, um aus einem erwachsenen Fußballfan wieder ein dreijähriges Kind zu machen. Fünf Minuten reichen zum Beispiel bei Tom Irving. Er springt auf, hält sich den Kopfhörer mit der einen Hand fest, mit der anderen ballt er die Faust und brüllt: »Goal! TeBe! Unbelievable!« Michael Fuß, 37-jährige Berliner Amateurfußball-Legende, hat in der fünften Minute das 1:0 geschossen. Tom umarmt Stuart; Stuart grinst.

Die beiden Engländer Tom Irving und Stuart Russell und heute, am 3. Mai 2015, auf der ganzen Welt zu hören. Sie kommentieren das entscheidende Aufstiegsduell in der Berlin-Liga zwischen Tennis Borussia und Tasmania Berlin. Ihre Kommentatoren-Box liegt auf der riesigen Haupttribüne des Mommsenstadions, dort rutschen sie zwischen den anderen Zuschauern nervös hin und her. Neben ihnen steht ein Laptop mit dem Livebild, das auf die Homepage übertragen wird. Aber Tom und Stuart brauchen es nicht, sie haben auch so beste Sicht.

Noch nie kamen mehr Zuschauer in der Berlin-Liga

Vor dem Spiel warten die Menschen an den Kassenhäuschen, der Anpfiff verzögert sich. Fast 2000 Zuschauer bezahlen Eintritt. In der sechsten Liga. Das ist Rekord. Im Berliner Westen, wo das mächtige Mommsenstadion ein bisschen versteckt liegt, findet heute das Spiel des Jahres statt, das direkte Duell um den Aufstieg. Auf Twitter klettert der Hashtag zum Spiel, #TeBeTas, zwischenzeitlich in die Trends, neben den anderen heiß diskutierten Themen wie dem #gdlstreik.

Beide Vereine haben schon bessere Zeiten gesehen, spielten mal in der Bundesliga, aber das ist lange her. Heute kämpfen sie um den Aufstieg in die Oberliga. TeBe liegt drei Punkte vor Tasmania.

Zuschauer in Nordirland, China und Bolivien

Aber nicht nur deswegen sind Tom und Stuart heute aufgeregter als sonst. Vor dem Spiel üben sie ihre Anmoderation: »Hi, this is Stuart Russel, a Berlin based Englishman, Supporter of York City and TeBe. And left of me is Tom Irving sitting. Hello Tom!« Mit dem Anpfiff aber weicht ihre Nervösität einer erstaunlichen Routine, obwohl es für beide das erste Mal ist, dass sie ein Fußballspiel kommentieren. Sie finden schnell eine charmante Mischung aus Kommentar und Witz: »Oh, I just got the message that the Bolton Icebears are watching us. Cheers to them from the Mommsenstadion Berlin!«

Im Livestream diskutieren die beiden Engländer über das Spiel, analysieren die TeBe-Saison, »Pretty damn good so far«, und sorgen so für das erste live gestreamte Spiel der Berlin-Liga. Auf Englisch, weil das bei der internationalen Fanszene von TeBe kein Problem ist. Drei Kameras auf der Haupttribüne fangen die Bilder ein.

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