Wie die App OWNAFC den Fußball bedroht

Klub-Eigentümer im Kinderzimmer

Ein englisches Startup will Amateurklubs mit Tausenden Investoren zusammenbringen. Diese sollen dort »basisdemokratisch« regieren. Eine tolle Idee? Geht so!

Screenshot Twitter/OWNAFC

Auf den ersten Blick mutet es an wie das klassische Win-Win-Win-Konzept: Fußballfreaks und Managerspiel-Junkies können sich über die App OWNAFC in englische Non-League-Klubs einkaufen. Das umfasst Teams von der 6. Liga an abwärts. Schon mit einem einmaligen Investment ab 49 Pfund (57 Euro) kann jeder zum Teilhaber eines Amateurvereins werden – mit allen damit verbundenen Pflichten und Rechten: Vor allem dürfen die neuen Eigner mal so richtig mitreden im Fußball-Business. Die Klubs erhalten im Gegenzug frisches Geld für ihre sportliche und infrastrukturelle Entwicklung. Und App-Betreiber Stuart Harvey steckt sich eine angemessene Gebühr in die Tasche.

Das Geschäft läuft gut an: Harvey verkündet stolz, dass seine App bereits 3.500 registrierte User verzeichnet – teilweise sogar aus fernen Ländern wie Australien oder China. Egal, Zugangsbeschränkungen gibt es in diesem digitalen System kaum. Nur voll geschäftsfähig müssen die Investoren sein. Bis zu 10.000 Anteilsscheine pro Klub sollen in den Verkauf gehen – wobei die OWNAFC-Community stets 51 Prozent der Anteile ihrer Klubs verwaltet. Wegweisende Entscheidungen wie Trainerentlassungen, Spielertransfers oder Ausgaben für die Stadioninfrastruktur können somit per Voting innerhalb der App-Userschaft getroffen werden.

Ein Zukunftsmodell?

Einige Vorreitervereine sollen sich bereits an OWNAFC verdingt haben – gegen gewisse Vorschusszahlungen, versteht sich. Dem Vernehmen nach sollen es bislang drei (vorläufig geheimgehaltene) Klubs sein, die allesamt nicht gerade im Geld schwimmen und Harveys Finanzierungsmodell als eine Art Rettungsinsel in stürmischer See betrachten. Ein weiterer Klub, der Hednesford Town FC, hat einen entsprechenden Deal in letzter Sekunde abgeblasen, wie der Vorstand am Mittwoch mitteilte. Aus gutem Grund?

Harvey verkauft sein verwegenes Basisdemokratie-Modell gegenüber dem Boulevardblatt »The Sun« als Rettung des auch in England kriselnden Amateur-Kicks: »Wir wollen den Fußball zurück zu seinen Wurzeln führen und Klubs und Communitys wieder vereinen. Viele Vereine spielen vor 200 bis 300 Zuschauern und suchen bei den immer gleichen lokalen Unternehmen nach Sponsorengeldern an – so sollte kein Klub mehr geführt werden. Ich sehe auch das Modell eines allmächtigen Vorsitzenden als überholt an. Was wir tun, ist das Konsensmodell sowie simple Mathematik und Statistik auf die Leitung eines Fußballvereins anzuwenden.«