Wie Deutschland früher auf schlechte Turniere reagierte

WM 1998, EM 2000, EM 2004

WM 1998

Anderthalb Monate sind seit der 0:3-Niederlage gegen Kroatien im WM-Viertelfinale vergangen - da ruft Bundestrainer Berti Vogts in der DFB-Zentrale nicht weniger als eine »neue Ära der Nationalmannschaft« aus. Vogts ist nach dem WM-Aus heftig kritisiert worden. Nun aber verkündet er: »Ich habe Kraft genug, den Auftrag zu erfüllen und eine neue Nationalmannschaft aufzubauen, mit dem Ziel, uns für die Europameisterschaft 2000 zu qualifizieren und den Titel erfolgreich zu verteidigen.«

24 Spieler nominiert er an diesem Tag für die Malta-Reise, eine Art Lehrgang mit zwei Länderspielen gegen Malta und Rumänien. Aus dem WM-Kader sind noch elf Spieler dabei, hinzu kommen acht, die noch kein einziges Länderspiel bestritten haben - und der 30 Jahre alte Stefan Effenberg, der vier Jahre nach der Stinkefinger-Affäre in allen Ehren wieder in den erlauchten Kreis aufgenommen wird.

Einem rauschhaften 2:1 gegen Malta folgt ein glückliches 1:1 gegen Rumänien. Effenberg ist nicht zu sehen. Es wird sein letztes Länderspiel bleiben, genau wie für Berti Vogts. Zwei Tage später erklärt der Bundestrainer seinen Rücktritt.

EM 2000

Was sich am 15. August 2000 in Hannover abspielt, ist wohl ein mittelgroßes Fußballwunder. Und damit ist weniger das deutliche 4:1 (1:0) der Nationalmannschaft gegen Spanien gemeint. Verwunderlich ist vor allem die freudige Stimmung, die dem Team entgegenschlägt. Knapp zwei Monate zuvor, nach dem Vorrunden-Aus bei der EM in Holland und Belgien, waren die Nationalspieler noch als Flaschen und Bratwürste verspottet worden.

Zum Stimmungsumschwung trägt auch der neue Mann auf der Trainerbank bei, der als Nachfolger des überforderten Erich Ribbeck eigentlich nur eine Not- und Zwischenlösung ist. Mit seinen Sympathiewerten aber erweist sich Rudi Völler als echter Glücksfall.

EM 2004

Das Hoch, das Völler auslöst und die Nationalmannschaft immerhin 2002 bis ins WM-Finale führt, endet mit einem Vorrunden-Aus bei der EM in Portugal. Jürgen Klinsmann übernimmt und startet in Wien mit einem 3:1 (1:1) gegen Österreich. Der neue Bundestrainer - das wird schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit deutlich - begnügt sich nicht mit der Verwaltung der bestehenden Zustände; er will sie radikal verändern. Erstes Zeichen ist die Absetzung des allmächtigen Oliver Kahn als Kapitän, der durch Michael Ballack ersetzt wird. »Die Mannschaft soll wieder glauben, dass sie Großes vollbringen kann«, sagt Klinsmann. Dass das mitunter auch sehr anstrengend werden kann, ahnen zu diesem Zeitpunkt allerdings die wenigsten.