Wie Deutschland die Euro noch verkackt

Verdammter Amisulashvili!

Wollen wir lieber nicht erleben, aber darüber fabulieren wird ja noch erlaubt sein: So vergeigt Deutschland die Qualifikation für die Euro 2016.

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29. März 2015
Georgien-Deutschland 3:2

Dem mageren 2:2 gegen Australien zum Trotz reisen die Weltmeister nach Georgien und zeigen dabei ein erstaunliches Maß an Überheblichkeit: Mats Hummels hat extra ein paar Brocken Georgisch gelernt, um sich in der abschließenden Pressekonferenz über den Zustand der hiesigen Fußball-Liga lustig zu machen. Thomas Müller meldet sich mit einer angeblichen Zerrung vom Training ab und wird anschließend von den Boulevardmedien beim Hundekampf in einem Tifliser Hinterhof beobachtet. Müller gewinnt den Kampf und prahlt anschließend: »Gegen die Georgier verbinde ich mir extra das rechte Auge – damit die Jungs eine faire Chance bekommen!« Jogi Löw stellt ihn trotzdem auf, in seinem neu konzipierten 2-2-6-System ist genügend Platz für Offensivspieler. Selbst Jerome Boateng gehört zur Stammelf, obwohl er noch am Spieltag mit 2,1 Promille aus einer stadtbekannten Studentenverbindung getorkelt ist.

Die Partie selbst verläuft dann zunächst wie geplant: Götze und Müller (mit Augenklappe) erzielen die Tore für Deutschland, doch nach der Pause bricht Löws Riege komplett ein. Angeführt von einem alles überragenden Aleksandre Amisulashvili holt Georgien Tor um Tor auf. Erst ist es Aleksandre Kobakhidze, der nach einem schönen Doppelpass mit Valeri Qazaishvili eine Flanke auf den Schädel von Tornike Okriashvili schlägt und damit den Treffer von Giorgi Navalovski einleitet. Dann versenkt Amisulashvili einen 40-Meter-Freistoß gegen den völlig konsternierten Roman Weidenfeller (Manuel Neuer hatte sich kurz vor dem Match mit der Begründung abgemeldet, mal wieder richtig ausschlafen zu wollen), schließlich führt eine Viererkombination über Solomon Kvirkvelia, Ucha Lobjanidze, Kakhi Makharadze und erneut Amisulashvili zum umjubelten Siegtreffer. Fünf Minuten nach Spielende wird Berti Vogts ins Krankenhaus eingeliefert, die Augen weit aufgerissen, die Stirn schweißnass murmelt der frühere Bundestrainer immer und immer wieder: »Es gibt keine Kleinen mehr! Es gibt keine Kleinen mehr!« – ehe er endlich mit einer Möhre extra beruhigt werden kann.

13. Juni 2015
Gibraltar-Deutschland 0:0

Es ist wie verhext. Unglaubliche 45 Mal schießen die Deutschen an diesem Tag auf das Tor von Keeper Jordan Perez, doch der 28-Jährige ist unüberwindbar. 22 Glanzparaden zählen die Statistiker am Ende und müssen anschließend erst einmal durch eine Tüte voller Daten atmen, um wieder klar zu kommen. Mario Götze muss von Weinkrämpfen geschüttelt nach 67 Minuten ausgewechselt werden, Thomas Müller fängt nach dem Spiel vor lauter Frust eine wüste Rangelei mit TV-Experte Miroslav Klose an und Joachim Löw hat in der Halbzeitpause wieder mit dem Rauchen angefangen.

Perez wird nach dem Spiel für 34 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg verpflichtet, die Regierung seines Landes regt an, das Konterfei des Torwarts in den berühmten Felsen zu hauen. Bei einer Volksbefragung stimmen 98 Prozent dafür. Die Arbeit übernimmt Lukas Podolski, der noch während der Partie gegen Gibraltar genervt seinen Rücktritt vom aktiven Fußball bekannt gegeben hatte und sich fortan als Bildhauer verwirklichen möchte.