Wie der vierte Keeper von Flamengo zur Vereinslegende wurde

Ave César

Aus der Abstellkammer des Klubs auf die Titelseiten der brasilianischen Zeitungen: Eine Aschenputtel-Geschichte von Flamengo-Torhüter César Bernardo Dutra. 

imago

Bis vor ein paar Tagen kannten nur Insider seinen Namen: César Bernardo Dutra, 25, vierter Torhüter von Rio de Janeiros Traditionsklub Flamengo, war so etwas wie ein lebendes Beispiel für einen geplatzten Profi-Traum. Ausgebildet und aufgewachsen in der Jugendabteilung des Klubs, schaffte es »César« nie wirklich über die Rolle des dritten oder vierten Ersatztorhüters hinaus. Ein paar Spiele in der Saison 2015, das wars. Zwischendurch wurde das Eigengewächs, dass es in jungen Jahren noch zu Einsätzen in der U18 und U20 Brasiliens brachte, an die Provinzklubs Ponte Preta und Ferroviária ausgeliehen. Doch auch da blieb »César« nur ein Bankdrücker. Bis zum Donnerstagabend. Da sollte sich auf einen Schlag alles ändern.

Denn bei Flamengo brannte der Baum. Vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Copa Sudamericana (das südamerikanische Gegenstück zur Europa League) fielen die beiden Stammtorhüter aus. Diego Alves hatte sich im Hinspiel das Jochbein gebrochen, Jungstar Thiaguinho brach sich vor ein paar Wochen im Hinspiel des Finales der Copa do Brasil 2017 das linken Handgelenk. Blieb in der Hierarchie noch Alex Muralha (28), Torhüter Nummer drei. Doch dem klebte das Pech an den Händen. Im Elfmeterschießen des Finalrückspiels um den brasilianischen Pokal überraschte Muralha den Gegner damit, fünfmal in die gleiche Ecke zu hechten. Fünfmal sprang Muralha ins Leere, den Pokal gewann Cruzeiro. Die Pechsträhne Muralha sollte nicht abreißen.

Ein Shitstorm spülte ihn ins Tor

Nach dem Jochbein-Bruch von Diego Alves im Finalhinspiel um die Copa Sudamericana wurde Muralha erneut eingewechselt. Nach 56 Sekunden trafen die Gäste von Atletico Junior aus Barranquilla zum 1:0, Muralha war gleich bei der ersten Flanke zu spät am Boden. Zwar drehte Flamengo das Hinspiel noch zu einem 2:1-Sieg, doch die Fans hatten das Vertrauen in Keeper Nummer drei verloren. Nur drei Tage später kam es noch schlimmer. Im vorentscheidenden Spiel um die direkte Qualifikation für die Copa Libertadores lag Flamengo 1:0 gegen den FC Santos vorne. Doch dann vertändelte Muralha den Ball und verhalf den Gästen zum Ausgleich, im zweiten Durchgang ließ er einen Fernschuss von Arthur durch die Hosenträger gleiten.

Santos gewann 2:1 und qualifizierte sich direkt, für Flamengo war der Traum eines direkten Qualifikationsplätzes ausgeträumt. Die Volksseele kochte, in den sozialen Netzwerken ergoss sich ein wahrer Shitstorm über Muralha, dessen Nachname auf deutsch Mauer heißt. Genau deswegen weigerte sich eine Zeitung, seinen Nachnamen zu drucken. Bilder von löchrigen Mauern tauchten auf, ein Witzbold montierte Muralha in ein Video, in dem Dr. Frankenstein einem Patienten zwei neue Arme einpflanzte, damit er wieder fangen kann. Die Fans flehten Trainer Reinaldo Rueda an, Muralha nicht mehr einzusetzen.

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