Das volle Programm zur WM in Russland
Dieses Special wird präsentiert von: 
vodafone

Wie der russische Nationaltrainer die unlösbare Aufgabe bewältigte

Tschertschessow bleibt stehen

Niemand glaubte, dass Russland eine erfolgreiche WM spielen wird. Niemand außer Stanislaw Tschertschessow.

imago

Die letzten Sekunden des Achtelfinalspiels Russland gegen Spanien. Alle Augen im Moskauer Luschniki Stadion sind auf Igor Akinfejew gerichtet. Hält der russische Nationaltorhüter diesen Elfmeter, gelingt dem Gastgeberland die wohl größte Sensation des bisherigen Turniers. Der Spanier Iago Aspas tritt an, zentraler Schuss, Akinfejew bleibt lange stehen und pariert mit dem Fuß. Es ist der Funke, der das Stadion zum Explodieren bringt, alle stürmen Richtung Akinfejew - nur einer nicht. Tschertschessow bleibt stehen, zunächst mit den Händen in den Hosentaschen, dann reckt der die Arme doch kurz in die Luft.

Kein Zweifel an Igor

Im Vorfeld der WM hatten wohl selbst die größten Optimisten nicht mit einem Viertelfinaleinzug der Russen gerechnet, doch Tschertschessow nutzte diese geringe Erwartungshaltung. Bei einem Dresden-Besuch kurz vor der WM antwortete er auf die Frage, ob er Druck verspüre wie immer charmant: »Druck ist das Lieblingswort der Deutschen«, das der Polen, wo er vorher Trainer war, sei »Problem«. Er habe höchstens Blutdruck, 120 zu 80, und jeder Mediziner weiß: das ist optimal. Eine seiner ersten Amtshandlungen nach seiner Berufung zum Nationaltrainer war, seinem Torhüter Igor Akinfejew die Kapitänsbinde zu geben. Akinfejew steht in der Tradition großer russischer Torhüter wie Lew Jaschin und Rinat Dassajew. Unter dem neuen Nationaltrainer kann er dieses Selbstbewusstsein auch ausstrahlen. Dabei war die Karriere Akinfejews bisher auch von einigen Patzern geprägt. Bei der WM 2014 unterliefen ihm in der Vorrunde zwei größere Böcke.

Patzer sind für Tschertschessow jedoch kein Grund, an einem Spieler zu zweifeln, denn solche Situationen kennt er aus seiner eigenen Spielerkarriere. Unvergessen, wie er selbst 1993, gerade frisch zu Dynamo Dresden gewechselt, bei einem Auswärtsspiel in Gladbach einen Rückpass annahm und den Ball jonglieren wollte. Martin Dahlin spitzelte ihm den Ball weg und Tschertschessow war der Depp - ausgerechnet an seinem 31. Geburtstag. Davon ließ er sich allerdings nicht unterkriegen, erkämpfte nach wenigen Spielen seinen verlorenen Stammplatz zurück und wurde zum Publikumsliebling.