Wie der Präsident von Sporting Lissabon auf Facebook ausrastet

Meuterei auf der Sporting

Lissabon verliert das Hinspiel des Europa-League-Viertelfinals gegen Atletico Madrid mit 2:0. Bruno de Carvalho bringt das so auf die Palme, dass er via Facebook gegen die eigenen Spieler austeilt – und 19 von ihnen suspendiert.

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Präsidenten und soziale Medien sind so eine Sache für sich. Kennt man ja aus der Politik. Auch im Fußball steht es den meisten Amtsträgern nicht gut zu Gesicht, ihr emotionales Innenleben per Kurzschlussreaktion in die Tastatur zu husten. Diese Erfahrung musste nun auch der Präsident des portugiesischen Hauptstadtklubs Bruno de Carvalho machen.

Ein 2:0-Sieg für Atletico Madrid gegen Sporting Lissabon gehört nicht zwingend in die Kategorie »faustdicke Überraschung«. Grund zum Hadern hatten die Portugiesen trotzdem genug, denn beiden Gegentoren gingen grobe Schnitzer der Innenverteidiger Sebastian Coates und Jeremy Mathieu voraus.

Grün-weiße Aluhüte

Sporting-Präsident Bruno de Carvalho haderte sogar so sehr, dass er den beiden Abwehrspielern in einem ausschweifenden Facebook-Post vorwarf, den Atletico-Angreifern die Arbeit abgenommen zu haben.

Wo er schon mal dabei war, gab der Klubboss seinem Offensivjuwel Gelson Martins noch ein paar Tipps, wie es in Zukunft mit dem Torabschluss besser klappt und mischte auch gleich eine handfeste Verschwörungstheorie mit unter: Bas Dost und Fabio Coentrao, die beide im Rückspiel gelbgesperrt fehlen, hätten ihre Verwarnungen mit Absicht kassiert. Kann also nur eine Frage der Zeit sein, bis sie im Fanshop von Sporting Lissabon grün-weiße Aluhüte anbieten.

»Verwöhnte Kinder«

Selbstredend sind auch die Sporting-Spieler über die öffentlichen Verbalergüsse ihres Präsidenten gestolpert und waren davon eher weniger begeistert. Auf ihren öffentlichen Kanälen beklagten gleich 19 Profis, darunter der portugiesische Nationaltorhüter Rui Patricio und Kapitän William Carvalho, den fehlenden Respekt ihres Präsidenten und stellten sich hinter die kritisierten Spieler.

Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um das Ganze auf sich beruhen zu lassen – könnte man meinen. Präsident Carvalho legte nach, beschimpfte die beteiligten Meuterer als »verwöhnte Kinder« und kündigte ihre sofortige Suspendierung an.

Leg dich nicht mit Jesus an

Irgendwo zwischen den Stühlen: Sporting-Coach Jorge Jesus, der sich allerdings schnell mit seiner Mannschaft solidarisierte und für den Fall, dass der Präsident meint, was er da auf Facebook postuliert hat, angedroht haben soll, sein Traineramt mit sofortiger Wirkung niederzulegen.

Das ging dann scheinbar selbst dem hitzköpfigen Carvalho zu weit, denn am Sonntag sicherte sich Sporting mit dem gewohnten Spielermaterial einen 2:0-Heimsieg gegen Pacos Ferreira. Der Präsident erwägt derweil einen Wechsel auf Twitter. Er ist zuversichtlich, dort mit 280 Zeichen weniger Schaden anrichten zu können. Dass das nichts heißen muss, kennt man ja aus der Politik.