Wie der Luxemburger einen Sieg im Fußball erlebt

Let the Party begin

Ein Luxemburger Sieg im Fußball ist eigentlich so selten wie eine ungenutzte Lewandowski-Torchance im Strafraum. Umso schöner ist das Gefühl des Sieges, das die Luxemburger nach dem Sieg gegen Weißrussland lächelnd einschlafen ließ.

imago

Eigentlich ist der Spätsommer immer die Zeit der Schobermesse, dem größten und ältesten Jahrmarkt in Luxemburg. Rund zwei Millionen Menschen pilgern jedes Jahr auf den Rummel und sorgen im Herzen der Hauptstadt für mächtig Stimmung und erhöhten Alkoholkonsum. Gestern Abend dürfte die Euphorie und Feierlaune aber besonders hoch gewesen sein.

Im altehrwürdigen Luxemburger Nationalstadion »Stade Josy Barthel« – Platini taufte das Stadion einst das marodeste Stadion Europas - besiegte Luxemburg Weißrussland mit 1:0. Die »roten Löwen«, wie die Kicker aus dem Großherzogtum genannt werden, haben zum ersten Mal seit zwei Jahren ein Qualifikationsspiel gewonnen.

Ein 38-Jähriger im Tor

Auch ich hätte nicht im Geringsten mit einem Erfolg der luxemburgischen Mannschaft gerechnet. Zum einen hat man als geborener Luxemburger recht selten die Chance, Siege im internationalen Sport zu feiern, zum anderen hätten die Vorzeichen vor dem Spiel kaum schlechter sein können. Neun Stammspieler fehlten verletzt oder gesperrt.

Mit Anthony Moris und Ralph Schon fehlten beide Stammtorhüter, sodass die ehemalige Nummer eins, Jonathan Joubert - mittlerweile fast 38 Jahre alt - reaktiviert wurde und das Tor hütete. Die Alternativen – ein 16-jähriges Talent ohne Profi Erfahrung und der Ersatztorwart von Fola Esch – waren Trainer Luc Holtz wohl zu riskant. Der 48-Jährige wäre in der Sommerpause fast in Aue gelandet, die Veilchen hatten ihm einen unterschriftsreifen Vertrag vorgelegt.

Kribbeln im Bauch

Er entschied sich dann doch für den Verbleib bei der Familie und der Nationalmannschaft. Außer den Torhütern fehlte auch die restliche wichtige Achse im Luxemburger Spiel. Dazu gehören auch Abwehrchef Maxime Chanot (New York City) und die beiden Mittelfeldspier Mario Mutsch (Progrès Niederkorn) und Lars Gerson (GIF Sundsvall), die zusammen 177 Länderspiele absolviert haben. Zum Vergleich, im gestern aufgebotenen zentralen Mittelfeld standen zwei Debütanten, die beide in Luxemburg spielen und wenig internationale Erfahrung haben.

Dennoch bestellte ich mir frohen Mutes ein Nudelgericht beim Asiaten und wartete gebannt auf den Anpfiff. Wie die meisten Luxemburger, flüchtete ich mich in die Floskel »jedes Spiel beginnt beim Stand von 0:0 und die Partie muss erst einmal gespielt werden.« Pünktlich zur Nationalhymne tauchten die ersten Livebilder auf meinem Laptop auf und das Kribbeln in meinem Bauch – und das lag nicht an den Nudeln – wurde langsam stärker.