Wie der Konflikt zwischen Fans und Verein in Hannover eskaliert

Podiumsdiskussion vom Verein abgesagt

Doch zu der Podiumsdiskussion kam es nicht. Vier Tage vor dem Termin teilte der Vorstand von Hannover 96 dem Fanbeirat mit, dass er nicht teilnehmen werde. In einer Mitteilung auf der Homepage des Vereins erklärt der Vorstand, dass »große Zweifel an der Umsetzbarkeit des Termins« entstanden seien. Für die Absage gebe es »gute Gründe«. Die Gründe klingen allerdings eher nach einer schwammigen Ausrede. Einer der fünf Fanvertreter habe ein Stadionverbot und sei aus dem Verein ausgeschlossen worden. Der zweite Vertreter soll Kläger in einem laufenden Verfahren gegen den Verein sein. Der dritte Vertreter soll Anzeigen gegen Vertreter des Vereins erstattet haben.

Kuschelveranstaltung statt ernsthafte Diskussion

Sind das gute Gründe, die eine Absage rechtfertigen? Auch ein Fan mit Stadionverbot kann in der Lage sein, mit dem Vorstand sachlich zu diskutieren. Und wenn Fans gegen den Verein klagen, oder Anzeigen gegen Vertreter des Vereins erstatten, dann ist das in Ordnung, weil es ihr Recht ist. Die Möglichkeit zur Diskussion war da.

Der Fanbeirat, der die Podiumsdiskussion organisierte, kritisiert: »Das Stattfinden wäre ein wichtiger Wegweiser der Annäherung [...] bei der aktuell ohnehin angespannten Situation gewesen.« Doch der Vorstand hat einen Rückzieher gemacht. Die Aussage des Vereins, das Angebot zum Dialog bestehe weiterhin, ist Augenwischerei. Hannover 96 teilte mit, dass sie umgehend alle 116 offiziellen Fanclubs anschreiben und zu einem »Informations- und Dialogabend« ins Stadion einladen werden. Nur sind die Ultras und Gruppierungen aus der aktiven Fanszene nicht als offizielle Fanclubs organisiert. Damit werden genau diejenigen vom Dialog ausgeschlossen, mit denen es in der aktuellen Situation so wichtig wäre, zu sprechen. Stattdessen wird eine Kuschelveranstaltung organisiert. Vermutlich ganz im Sinne von Martin Kind.

Heldt ist stinksauer

Der Graben ist tiefer als je zuvor. Zwischen den Ultras und dem Verein. Zwischen den Kind-Gegnern und Befürwortern. Und zwischen aktiver Fanszene und jenen, die einfach genervt sind und nicht verstehen können, was Vereinspolitik im Stadion zu suchen hat. Eine Lösung des Konflikts ist nicht absehbar. Horst Heldt, Manager von Hannover 96, war nach dem Spiel gegen Mönchengladbach stinksauer: »Ansonsten kotzt mich hier alles an. Wir beschäftigen uns mit allem anderen, nur nicht mit Fußball. Und deswegen ist es so wie es ist. Und vielleicht haben wir es auch nicht anderes verdient.« Vielleicht hat er damit Recht.