Wie der Internationale FC Rostock mit rechten Attacken umgeht

»Die Leute sind immer noch scheiße«

Scherben mit Nazi-Symbolen im Mittelkreis und im Briefkasten eines Vorstandsmitgliedes: Die Attacken auf den linken Amateurverein IFC Rostock haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wir sprachen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden.

Internationaler FC Rostock

Eike Dettmann, was ist am vergangenen Wochenende passiert?
Wir hätten am Sonntag ein Punktspiel gehabt, mussten das aber verlegen lassen. Am gleichen Tag spielte eine Jugendmannschaft der Spielvereinigung PSV Rostock / SG Warnow Papendorf, mit der wir uns den Platz teilen. Vor dem Anpfiff haben die Jungs dann eine aus dem Boden ragende Porzelanscherbe gefunden, die genau im Mittelkreis steckte. Zum Glück hatte sich da noch niemand verletzt. Wir wurden umgehend von den Trainern der Mannschaft benachrichtigt. Beim Wegräumen der Scherben ist ihnen aufgefallen, dass auf den Rückseiten Reichsadler mit Hakenkreuzen zu sehen waren. Davon hat uns der Trainer auch Fotos geschickt. Das hat den Schluss nahegelegt, dass diese Aktion uns galt und wir gezielt getroffen werden sollten. Die Spieler waren dann natürlich alle gehemmt, gerade was Zweikämpfe anging. Sie haben das Spiel aber trotzdem durchgezogen.

Wie haben Sie darauf reagiert?
Wir mussten erst einmal schauen, wie wir uns dazu verhalten. Kurz darauf hat sich dann aber ein Vorstandsmitglied von uns mit einem Foto gemeldet, das eine ähnliche Scherbe mit den gleichen Symbolen zeigte. Die hat er allerdings aus seinem privaten Briefkasten gefischt. Dann war klar: Die Aktion galt eindeutig uns. Daraufhin haben wir die Pressemitteilung fertig gemacht und waren nun bei der Polizei und haben Anzeige erstattet.

In der Pressemitteilung schreiben Sie u.a. von mehreren »rechtsmotivierten Aktionen« gegen Ihren Verein. Wie sahen die aus? 
Es ist immer schwierig, wenn man als explizit linker Verein in den ländlichen Gegenden unterwegs ist. Dann hört man öfters Dinge wie »Scheiß Zecken« oder »Zigeuner«. Das sind die Klassiker unter den Beleidigungen. Es wurden auch schon Drohungen gegen uns und unsere Spieler ausgesprochen. Bei der Stadtmeisterschaft am Ende des vergangenen Jahres ist es dann eskaliert: vor unserem Fanblock, der mit 50 Supportern gefüllt war, stellten sich Leute, die uns bepöbelten, den rechten Arm hoben und uns den Hitler-Gruß zeigten. 

Wie gehen Sie mit solchen Geschehnissen um?  
Im ersten Moment muss man natürlich schlucken. Gerade jetzt, bei der Aktion mit den Scherben. Da hätten sich Leute böse verletzen können. Da ging es noch mal eine Stufe weiter, das war härter als die bloßen verbalen Attacken, die wir schon von unserem politischen Tun gewohnt sind. Andererseits zeigen diese Vorkommnisse auch, dass wir etwas richtig machen. Dass wir Leute anscheinend schon so anpissen, dass sie sich zu solchen Taten genötigt fühlen. Und durch die Aktion mit den Scherben ist das Nazi-Problem bei einigen Rostocker Vereinen wieder mehr auf dem Schirm. Da wurden jahrelang die Augen vor verschlossen. Und jetzt merken sie, dass es diese Leute immer noch gibt und dass die immer noch scheiße sind und vor nichts zurückschrecken. 

Haben Sie denn eine Idee, wer hinter der Aktion mit den Scherben stecken könnte?
Die Privatadresse des Vorstandsmitgliedes kennt nur ein ausgewählter Kreis an Leuten. Dadurch schränkt sich das ein. Wir haben einen konkreten Verdacht, aus welcher Ecke die Aktion kommen könnte. Den haben wir jetzt auch der Polizei mitgeteilt, aber da wird vermutlich nicht viel passieren. Die werden sich vielleicht mal die Scherben angucken, aber mit mehr rechnen wir nicht.

Was sind weitere Möglichkeiten, gegen solche Aktionen vorzugehen?
Wir müssen wachsam bleiben. Wir haben seit den letzten Trainingseinheiten damit angefangen, den Platz intensiver zu untersuchen. Wenn sich unser Keeper in so eine Scherbe reinschmeißt, ist es natürlich nicht so lecker. Gerade weil einige von uns auch am nächsten Tag arbeiten müssen. Was uns sehr gefreut hat, war das hohe Maß an Solidarität, das uns entgegen gebracht wurde. Von überregionalen Vereinen, zu denen wir Kontakte haben, aber auch von vielen Rostocker Vereinen. Ich hoffe, dass wir dadurch eine Aktion starten können. Dass wir das Thema nicht einfach nur mal kurz auf die Tagesordnung gesetzt haben, sondern dass jetzt ein Diskurs dazu beginnt.