Wie der HSV in die Zweitliga-Saison startet

Nur einer über 30

Damit sind sie bei weitem nicht alleine. Mit 22,9 Jahren stellt der HSV den jüngsten Kader im Deutschen Profifußball. Das letzte Testspiel der Vorbereitung gegen AS Monaco zeigte, wie die Zukunft aussehen könnte. In der Innerverteidigung spielten Neuzugang David Bates und Rick van Drongelen, 21 und 19 Jahre alt. Im Tor Julian Pollersbeck (23), im Mittelfeld Vasilije Janjicic (19) und Matti Steinmann, der 23-Jährige, der gemeinsam mit zehn anderen aus der zweiten Mannschaft hochgezogen wurde. Zusammen mit erfahrenen Kräften wie Lewis Holtby, Aaron Hunt und Gotoku Sakai zeigte der HSV eine starke Leistung, gewann verdient mit 3:1 gegen den zweitbesten Verein Frankreichs. Selbstverständlich nur ein Testspiel, aber ein erstes Zeichen, dass die Hamburger eine gute Mischung in der Mannschaft haben.

In jedem Mannschaftsteil findet man das gleiche Konstrukt: Perspektiv Spieler, die sich auf ein Gerüst von erfahrenen Spielern stützen. In der Verteidigung sind es Sakai und Kyriakos Papadopoulos, im Mittelfeld Holtby und Albin Ekdal, im Sturm Hunt und Pierre-Michele Lasogga. Spieler, die wissen, wie der Profifußball funktioniert, was den Nachwuchs in einer Saison alles erwarten kann, wie das aufgeregte Umfeld tickt, die es kennen, wenn Investor Kühne mal wieder die Mannschaft verbal beerdigt.

Die zentrale Rolle von Aaron Hunt

An ihnen wird es liegen, die Mannschaft zu lenken. Besonders an dem neuen Kapitän Hunt, dem einzigen Spieler über 30. Er soll nicht nur neben dem Platz für Ordnung sorgen, in der kommenden Spielzeit wird er wohl etwas zurückgezogen agieren, in der Offensive das Spiel lenken, und in der Defensive das Gegenpressing organisieren. Das scheint zu funktionieren, Hunt hat derzeit die Unterstützung aus der Mannschaft. Gemeinsam mit ihrem Kapitän erarbeitete sie sich selbst einen Strafenkatalog. Sollte das Projekt Wiederaufstieg klappen, wäre der HSV in der Bundesliga gut aufgestellt und könnte aus einem großen Pool an Talenten schöpfen.

Doch die Transferpolitik ist auch extrem riskant. Reichen sieben erfahrene Spieler, um eine junge Mannschaft beisammen zu halten, wenn alles in Frage gestellt wird und Zweifel aufkommen, ob eine so junge Mannschaft in der kämpferischen zweiten Liga bestehen kann? Wie stabil dieses Konstrukt tatsächlich ist, muss sich zeigen. Ein schlechter Start, eine Hinrunde weit ab von den Aufstiegsplätzen und der Druck wäre zu groß für eine so junge Mannschaft. Eine Saison im Zweitliga-Mittelfeld, die wahrscheinlichste Folge. Die Partie gegen den Holstein Kiel ist für die Atmosphäre in der Mannschaft und deren Umfeld ein erstes Hochrisikospiel. Ein 0:2 im neuen Nordderby vor den eigenen Fans und beim HSV wäre die Uhr wieder auf Null gestellt.