Wie der HSV in die Zweitliga-Saison startet

Vom Dino zum Küken

Der HSV hat den jüngsten Profikader in ganz Deutschland. Die Mischung aus erfahrenen Profis und talentiertem Nachwuchs sorgt zum ersten Mal seit Jahren für Euphorie. Doch sie könnte den Verein auch in den Abgrund stürzen.

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Drohend hing sie da, zählte erbarmungslos vor sich hin. Sekunde um Sekunde. Wie ein schlechtes Omen, eine Gewissheit, dass es bald vorbei sein würde. In den vergangenen Jahren war die Uhr, die einmal der Stolz eines Vereins war, zur Belastung geworden, zur Steilvorlage für unzählige Witze und zur Erinnerung daran, dass dieser Verein, diese Mannschaft, dieser Kader eigentlich so viel mehr erreichen sollte. Die Uhr im Hamburger Volksparkstadion zählt noch immer, aber nicht mehr die Zeit in der ersten Liga. Sie wurde ohne große Aufregung umgestellt, eine „1“ in digitaler Optik davor geklatscht und nun zeigt sie die Jahre, Tage, Stunden... seit der Vereinsgründung an. Eine pragmatische Lösung. Ohne große Zeremonie wurde der Bundeliga-Dino begraben.

Die Transferphase des Hamburger SV lief ähnlich pragmatisch ab wie das Umstellen der Uhr. Doch diesmal wurde sie in die andere Richtung gestellt. Ohne große Emotionalität wurden Spieler wie Dennis Diekmeier, Sejad Salihovic, Nicolai Müller oder André Hahn verabschiedet. Der Kader wurde ausgedünnt, Spieler, die nicht mit dem Verein den Wiederaufstieg angehen wollten, verkauft. Dafür kamen vor allen Dingen junge Talente, ablösefreie Spieler und Fußballer aus dem HSV-Nachwuchs, mit denen sich die Fans identifizieren können und die den Drang haben, etwas zu beweisen – und nicht vorbelastet sind, von den Streitereien und Diskussionen vergangener Jahre.

»Bei uns herrscht schon so etwas wie Euphorie«

Für die Stimmung ist das gut. Der Hamburger SV startet zum ersten Mal seit langer Zeit in eine neue Saison, ohne das Gefühl zu haben, am Ende eh wieder enttäuscht zu werden. »Das intensive Miteinander in diesen Wochen hinterlässt die Wirkung, dass alle noch enger zusammengerückt sind. Bei uns herrscht schon so etwas wie Euphorie, das ist fast ein wenig paradox«, sagte Sportvorstand Ralf Becker dem »Kicker«. Favoritenrolle, Mitgliederrekord, ausverkauftes Stadion. Wenn heute um 20:30 Uhr der HSV zur neuen Zweitliga-Saison und einem neuen Kapitel in der Vereinsgeschichte anstößt, könnte der erste Ball von Jan-Fiete Arp zu Manuel Wintzheimer gehen. Ein 18-Jähriger und ein 19-Jähriger. Auf den beiden Spielern liegen viele Hoffnungen des HSV.