Wie der Fußball den Dopingtrends hinterherläuft

»In unserem Fußball gab es nie Doping«

Dr. Armin Klümper behandelte zu dieser Zeit auch Spieler von Bayern München, 1860 München und dem 1. FC Nürnberg. Und: Der bekannteste Sportmediziner Deutschlands, Dr. Müller-Wohlfahrt, bezeichnete Klümper in einem Spiegel-Interview von 1991 als Mentor.

Dass der Radsport endgültig zum Sündenpfuhl verkam, begann aber erst mit dem Aufkommen des EPO-Dopings in den 90er-Jahren. Das körpereigene Hormon wird künstlich hergestellt und dem Sportler, der daraufhin immer mehr rote Blutkörperchen zur Sauerstoffaufnahme bildet, gespritzt. Bis 2000 konnte körpereigenes und synthetisches EPO im Labor nicht unterschieden werden.

Trainingspläne bei Fuentes

Dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin wurde EPO-Doping zwischen 1994-98 gerichtsfest bestätigt. Teamarzt Riccardo Agricola ging deshalb für knapp zwei Jahren ins Gefängnis.

Der Radsport flog erst 2006 auf, als im Rahmen einer Razzia der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes verhaftet wurde. Zu seinen Kunden zählten die Weltklassefahrer Ivan Basso, Alberto Contador und Jan Ullrich. Während Fuentes behauptete, dass er auch für spanische Fußballklubs gearbeitet habe, wurden Trainingspläne des FC Barcelona und Real Madrid an seinem Wohnsitz gefunden. Die Vereine dementierten.

Vor einer Woche, am 19. Juni, untersagte ein spanischer Richter, die sichergestellten Blutbeutel aus Fuentes’ Besitz für neue Verfahren zu nutzen. Fast zeitgleich veröffentlichte die ARD brisante Recherchen zu neuen Dopingvorwürfen gegen Roberto Carlos.

»Es gab nie Doping«

Leiter der Recherchen ist der Journalist Hajo Seppelt, der 2014 die russische Mittelstreckenläuferin Julija Stepanowa zu Aussagen gegen russische Dopingversuche bewegt hatte. Im Auftrag der Weltdopingagentur fertigte daraufhin Sportrechtsexperte Richard McLaren den »McLaren-Report« an. Aus ihm geht nun der Verdacht des staatlich-organisierten Dopings der russischen Nationalmannschaft hervor.

Russlands Sporminister Witali Mutko dementierte: »In unserem Fußball gab es nie Doping. Und wird es nie Doping geben.«