Wie der FSV Salmrohr die Pokalauslosung erlebte

Katerstimmung

Als einziger Sechstligist hat sich der FSV Salmrohr für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Samstag trafen sich Fans und Mannschaft zur Pokalauslosung in der Vereinskneipe. Am Ende schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen.

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Rheinland-Pfalz ist das Bundesland mit den meisten Ortsgemeinden in Deutschland. Eine Einwohnerzahl von unter 100 Menschen ist in den Dörfern im Südwesten Deutschlands kein Seltenheitswert. Man lebt auf dem Land, zwischen Maisfeldern, Fichtenwäldern und Siloanlagen. Große Städte gibt es an der Grenzregion zu Luxemburg kaum. Trier hat etwas mehr als 100.000 Einwohner, die Bierstadt Bitburg rund 15.000. Das war’s auch schon. Mitten drin: Die 2.380 Seelen umfassende Gemeinde Salmtal.

Von der Abfahrt der A1 sind es nur einige Minuten in das Salmtal. Man sieht eine Grundschule, einen Friseursalon, eine Kirche - typisch Dorf eben. Doch alle 14 Tage ist am Wochenende für Dorfverhältnisse richtig was los – und das hat Tradition. Seit 1921 sind die Samstage im kleinen Ort etwas Besonderes. Vor allem war das in der Saison 1985/86 so, in der der FSV Salmrohr in der zweiten Bundesliga mitspielte. Aber die besten Zeiten hat der Verein hinter sich. Die Mannschaft ist im letzten Jahr in die Rheinlandliga abgestiegen, die Zuschauerzahlen sinken und der Verein droht in der Versenkung zu verschwinden.

Doch am Samstagabend stand der FSV Salmrohr mal wieder im Rampenlicht: Bei der Auslosung der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal, live übertragen in der ARD-Sportschau. Dabei grenzt es an ein Fußballwunder, dass der FSV in der Sendung überhaupt ein Thema war. 

Landespokalfinale gegen TuS Koblenz 

Vor drei Wochen stand das Team von Trainer Lars Schäfer im Finale des Rheinlandpokals gegen TuS Koblenz. Für viele Spieler war es eines der wichtigsten Spiele ihrer Karriere und auch für den Verein ging es um mehr als nur die 115.000 Euro Antrittsprämie im DFB-Pokal: Man wollte das Image verbessern, Salmrohr wieder in Fußball-Deutschland repräsentieren und die eigenen Fans zufriedenstellen. Denn im letzten Jahr war die Mannschaft aus der Oberliga abgestiegen und auch in dieser Saison musste die selbsternannte »Macht vom Dorf« lange um den Klassenerhalt in der Rheinlandliga zittern. Der Pokal also als Chance zur Wiedergutmachung. Doch als Marc Richter in der 89. Minute das 2:0 für TuS Koblenz erzielt, scheinen alle Hoffnungen auf die Teilnahme am DFB-Pokal passé. Während die Koblenzer Fans feiern, brechen die Salmrohrer zerstört am Boden zusammen.

Die ARD wechselt im Rahmen ihrer Konferenz des Finaltags der Amateure den Spielort und blendet nur kurze Zeit später ein: »Endstand Salmrohr - Koblenz 0:2«. Enttäuschung bei den wenigen Fans, die den Weg ins Apollinarisstadion nach Bad Neuenahr nicht angetreten hatten und die Partie am Fernseher verfolgen.