Wie der FC Liverpool das Wunder schaffte

Mit Logik kaum zu erklären

Was zur Hölle war denn das? Jürgen Klopps Liverpooler drehen gegen den BVB ein 1:3 zu einem 4:3. Ein Erklärungsversuch einer verrückten Nacht.

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Es gibt ein trauriges Phänomen im Fußball: Frühausschalter. Menschen, die sich beim Spielstand von 3:1 in der 60. Minute denken: »Das Spiel ist gelaufen, ich muss morgen früh raus – ich hau' mich besser hin.« Vielleicht bist du betroffen. Oder dein bester Freund. Oder dein Arbeitskollege, der dich heute Morgen anschaut, als wärst du ein Alien: »Ach, komm, verarsch mich doch nicht! Liverpool hat das Spiel nie im Leben gedreht.«

Der gestrige Abend hat mal wieder gezeigt, dass im Fußball kein Platz ist für Frühausschalter. Oops, Kloppo did it again! Der FC Liverpool dreht gegen Borussia Dortmund ein zwischenzeitliches 1:3 zu einem 4:3. Dortmunds Fans mussten am eigenen Leib spüren, wie sich eine typische Jürgen-Klopp-Aufholjagd anfühlt.

Offensiver Beginn

Kann man den Wahnsinn erklären? Zumindest die ersten sechzig Minuten lassen sich mithilfe einer klassischen Taktikanalyse relativ gut sezieren. Schließlich begannen beide Teams mit der Maßgabe, nach dem 1:1 im Hinspiel offensiv, aber nicht zu offensiv aufzutreten.

Jürgen Klopp verzichtete daher auf das defensivstarke, aber offensivschwache 4-3-3 aus dem Hinspiel und schickte seine Mannschaft in einem 4-2-3-1 auf das Feld. Es war die klassische Klopp-Formation: Seine Mannschaft verteidigte mit zwei Viererketten. Bei Ballbesitz rückten die Außenverteidiger vor, die Außenstürmer ziehen in die Mitte. Der BVB stellte ebenfalls auf ein 4-2-3-1 um.



Neue BVB-Strategie

Dass Trainer taktische Mittel austauschen wie die Formation oder die Rollen einzelner Spieler, gehört mittlerweile zum Fußball-Alltag. Eher selten passiert es, dass ein Team die eigene Strategie austauscht. Die Strategie im Fußball bezieht sich auf die zentralen Fragen eines Spiels, die ein Trainer über längere Zeiträume prägt.

Spielt ein Team mit langen oder kurzen Pässen? Will es verteidigen oder angreifen? Spielt es auf Ballbesitz oder auf Konter? Die klassische DFB-Lernformel heißt: Strategisch klar positionieren, taktisch flexibel bleiben.

Thomas Tuchel hingegen entschied sich in dieser Partie, strategisch anders vorzugehen als sonst in dieser Saison. Seine Dortmunder sind dieses Jahr eher als Ballbesitz-Team bekannt. Sie können zwar ebenfalls schnell kontern. Nach Führungen jedoch ließen sie zuletzt häufig den Ball laufen, rissen das Spiel an sich.

Gegen Liverpool hingegen agierte Tuchels Mannschaft von Beginn weg passiver. Statt früh zu pressen störten seine Spieler erst im Mittelfeld; statt den Ball laufen zu lassen, spielten sie pfeilschnelle Konter.