Wie der FC Emmen auf wundersame Weise aufstieg

Willkommen im Zoo

Der niederländische FC Emmen war 33 Jahre niederländischer Zweitligist. Nun feiert eine Stadt den unerwarteten Aufstieg. Einem irren Play-Off-System sei Dank.

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Emmen ist eine niederländische Kleinstadt und nicht besonders schön. Sie ist sauber, wie wirklich jede Stadt in Holland und würde als modern gelten, wenn noch 2001 wäre. Rundherum stehen kleine Häuser mit riesengroßen Fenstern ohne Gardinen. Man kann stur in die Wohnzimmer eines jeden Bewohners blicken. So lang und so ausgiebig wie man möchte und es das eigene Gewissen hergibt. Emmen hat einen Zoo. Wunderschön, riesengroß und sehr teuer. Eine vierköpfige Familie zahlt 125 Euro Eintritt.

Nichts außer Lakritz

Abgesehen davon, und von einem herzzerreißend guten Lakritzstand in der Wilhelminastraat, hat Emmen wenig zu bieten. Bis zum vergangenen Sonntag.

Denn an diesem vergangenen Sonntag ist der FC Emmen in die 1. Liga der Niederlande aufgestiegen. Und niemand im Verein, in der Stadt und erst recht nicht von außerhalb weiß so genau, wie das überhaupt möglich war.

Denn in der abgelaufenen Saison wurde das Team aus der 100.000-Einwohner-Stadt Siebter. Wohlgemerkt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, was einem Kunststück gleicht: Denn der FC Emmen spielt seit 1985 durchgehend in der Zweiten Liga. Siebter waren sie noch nie. Und wieso steigt man deshalb auf?

Irres Play-Off-System

Das niederländische Aufstiegssystem ist, sogar gemessen am Relegationswahnsinn hierzulande, ein einziger Irrsinn. Denn um eine Teilnahme an der Eredivisie spielen nicht nur der Vorjahresvorletzte und -drittletzte der 1. Liga, sondern auch der Tabellenzweite bis -neunte der zweiten Liga. Und - so wie im diesen Jahr, als der Ajax Amsterdam II Meister wurde - möglicherweise auch der Zehnte und Elfte. Hinzu kommen die sogenannten »Quartalsmeister«, jene Mannschaften, die ein bestimmtes Saisonquartal punktuell am besten abgeschlossen hatten. Kurzum: Ein einziger Zoo, genauer, ein Affenzirkus, wenn die halbe Liga im Play-Off-System zwei Plätze ausspielt.