Wie der FC Bayern eine Menschenrechtsorganisation ignoriert

Katar doch was?

Platinum-Partner des FC Bayern München. So darf sich Qatar Airways in Zukunft nennen. Was die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch davon hält, scheint an der Säbener Straße niemanden zu interessieren. Denn es gibt Geld zu verdienen.

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Das Trainingslager der Bayern im katarischen Doha ist seit Jahren ein gern gesehener Winterpausen-Aufreger. Die alljährliche Gelegenheit, noch mal den Finger in die Wüstenwunde zu legen, wo Regen und Menschenrechte für die Millionen von Gastarbeiter traditionell knapp sind.

Neuen Stoff in dieser merklich moralbefreiten Geschichte bietet die neue Ausgabe des norwegischen Fußballmagazins Josimar. »Wir werden behandelt wie Tiere«, prangert es dort auf der Titelseite. Die Norweger haben sich unter den Mitarbeitern am Hamad International Airport umgehört und Arbeitsbedingungen vorgefunden, die – immer noch – nach moderner Sklaverei klingen.

So weit, so schmierig

Gehalt? Weniger als versprochen. Neu eingeführter Mindestlohn? Bei den Arbeitern nicht angekommen. 44-Stunden-Woche? Für manche vergehen Monate ohne freien Tag. Was der FC Bayern damit zu tun hat? Der Hamad International Airport, bereits heute Sponsor in München, gehört Qatar Airways. Die wiederum ziert ab der kommenden Saison für fünf Jahre den Trikotärmel des Rekordmeisters, der sich den attraktiven Werbeplatz jährlich mit einem zweistelligen Millionenbetrag vergüten lässt.

Für die staatlich geförderte Fluglinie des Emirats muss nun nach jahrelanger Partnerschaft die Lufthansa weichen. Dort hätte man die Zusammenarbeit mit den Münchnern gerne fortgesetzt, konnte das üppige Angebot aus Katar allerdings nicht mitgehen.  Andreas Jung, Marketingvorstand des FC Bayern, freut sich auf den neuen Premiumpartner. Der Expansionskurs von Qatar Airways käme der Internationalisierung des Klubs entgegen.

Vereinsschädigende Zusammenarbeit?

In der Münchner Führungsriege scheinen sie jedoch nicht immer so überzeugt von der kontroversen Kooperation mit den Katarern gewesen zu sein. Laut Josimar sollen die Bayern Ende 2016 über das Büro der Bundeskanzlerin angefragt haben, was denn von dem möglichen Deal mit Qatar Airways zu halten ist.

Merkels Büro leitete die Frage an die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) weiter. Deren Einschätzung fiel unmissverständlich und eindeutig aus: Durch eine Partnerschaft mit Qatar Airways riskiere der FC Bayern München eine ernsthafte Schädigung seines Vereinsimages, so heißt es im Antwortpapier von HRW, das den Norwegern vorliegt.