Wie der FC Augsburg immer tiefer in die Krise rutschte

Der Baum, der brennt!

Die Situation in Augsburg ist angespannt. Der »Streber« unter den Aufsteigern der letzten Jahre kämpft gegen den Abstieg. Was läuft schief in Augsburg? Fünf Gründe für die Krise.

imago images

Es ist die 96. Minute im Signal Iduna Park. Ein Freistoß aus 25 Meter Torentfernung. Die letzte Aktion des Spiels. Paco Alcácer tritt an und zirkelt den Ball über die Mauer. Augsburgs Torwart Andreas Luthe macht erst einen Schritt nach rechts und bleibt dann regungslos stehen. Der Ball schlägt halblinks neben ihm im Tor ein.

Eine sinnbildliche Szene für die Hinrunde der Schwaben. In einem spektakulären Bundesligaspiel verliert der FCA in letzter Sekunde durch einen individuellen Fehler mit 3:4. Mit mageren 15 Punkten steht man auf dem 15. Tabellenplatz. Das Saisonziel Klassenerhalt ist in Gefahr.

1. Man lernt nie aus

Im Trainingslager nahm Manuel Baum sich und die Mannschaft in die Pflicht: »Mein Coaching wird sich ändern. Die Spieler haben sich verändert, weil sie besser und erfolgreicher geworden sind, da kann man dann in einzelnen Punkten auch mehr erwarten«.

Außerdem kritisierte er öffentlich die Einstellung seiner Mannschaft: »Du kannst nicht Hochleistung im Profibereich bringen, wenn du nicht danach lebst. Da kam für mich im Nachgang das eine oder andere heraus, das wir thematisiert haben«. Die Spieler beschreiben das Auftreten des Trainers in der Vorbereitung auf die Rückrunde als distanzierter und strenger.

In seiner bisher schwierigsten Situation als Bundesliga-Trainer präsentiert sich Baum selbstsicher, gereift und abgeklärt. Bleibt die Frage, ob die Veränderungen ein verzweifelter Versuch oder ein effektiver Lösungsansatz sind.

 

2. Die Mannschaft hat alles, was es braucht. Eigentlich

Mit dem Verbleib der Leistungsträger Alfred Finnbogason, Phlipp Max und Jeffrey Gouweleeuw dachte man, den Grundstein für die neue Saison gelegt zu haben. Einzig der Abgang von Torhüter Marvin Hitz war schmerzhaft und konnte nicht gleichwertig kompensiert werden. Weder Fabian Giefer noch Andreas Luthe nutzten ihre Chance und befeuerten mit Aussetzern eine ständig neu entfachte Torwartdiskussion.

Julian Schieber, Andre Hahn und Fredrik Jensen wurden vor der Saison als hoffnungsvolle Neuzugänge präsentiert. Keiner von ihnen stellte eine Verstärkung dar. Im Gegenteil: Julian Schieber wurde wie in seiner Zeit bei Hertha BSC von Verletzungen ausgebremst, Fredrik Jensen spielte in der Hinrunde lediglich 67 Minuten.

Rückkehrer Andre Hahn startete mit einem Tor und drei Vorlagen in die Saison, ließ danach allerdings stark nach und ist seit dem 7. Spieltag ohne Torbeteiligung. In einem Interview beschreibt er sein schwieriges Jahr 2018. Der Abstieg mit dem HSV und der Verlust seines Vaters warfen den Stürmer zurück. Für die Rückrunde kündigte er einige Veränderungen an: »Die Fans werden eine Mannschaft sehen, die sehr viel Einsatz zeigen wird, die rennen wird ohne Ende, die Zweikämpfe annehmen wird. Wir werden wieder der alte FCA«.

Trotz der enttäuschenden Hinrunde vertraut Manager Stefan Reuter dem Personal. Einzig auf der Torwartposition gibt es eine Veränderung. Mit Georg Kobel wurde ein vielversprechendes Talent von der TSG Hoffenheim ausgeliehen. Der Schweizer ist U-21 Nationalspieler und hat bereits in der Hinrunde ein Bundesligaspiel absolviert. Auf der Linie zeigte sich Kobel im Trainingslager bärenstark. Im Coaching seiner Vorderleute wirkte er allerdings zurückhaltend. Ob Kobel die neue Nummer eins wird, ist noch unklar.