Wie der Fan von morgen tickt

Kevins allein zu Haus

Eine Studie zeigt: Junge Fans spielen Fußball lieber virtuell als auf dem Rasen und haben mehr als einen Lieblingsverein. Warum wir uns trotzdem auf die neue Generation freuen können.

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Alleine sitzt er zu Hause, streamt Fußballspiele in seinem kleinen Zimmer. Auf das Spiel konzentriert er sich nicht lange, immer wieder geht erst die Hand, dann der Blick zum Smartphone. Twitter, Memes, WhatsApp. Ohne dieses heilige Dreigestirn kann er die 90 Minuten nicht aushalten, die früher, als Bill Shankly noch lebte, wichtiger waren als Leben und Tod. Völlig überfordert von der Masse an Fußball, die auf ihn einschlägt, kann er sich nicht mehr für eine Mannschaft entscheiden – er ist Fan von drei Mannschaften, zumindest sagt er das. Und wenn er genug Content zu seinen drei Teams konsumiert hat, er endlich satt ist, dann geht er nicht raus, um selber gegen den Ball zu treten, das Gras zu riechen, den Schweiß auf der Haut und die Stollen des Gegners in der Kniekehle zu spüren, nein, er schaltet die Konsole an und führt irgendeinen Alex Hunter zum Champions-League-Titel. So ist er, der junge Fußballfan.

Oder, so kann die Studie interpretiert werden, die Copa90 zu Fußballfans im Alter von 16 bis 24 Jahren herausgebracht hat. Das Fußballportal hat sich vor allen Dingen mit jungen Menschen in England, Europa und den USA beschäftigt. Und vieles ist tatsächlich bedenklich, oder zumindest befremdlich. Etwa, dass nur noch 68 Prozent von ihnen wirklich regelmäßig selber kicken gehen, sechs Prozent mehr spielen Fußball regelmäßig auf der Konsole. Dass sie nicht mehr sooft mit den Freunden persönlich über den letzten Spieltag oder die neueste Verpflichtung sprechen, sondern das vor allen Dingen über die Sozialen Medien tun. Dass 79 Prozent von ihnen während dem Spiel häufig zum Smartphone greifen. Oder, dass in England knapp die Hälfte von ihnen ein zweites Team unterstützt, 27 Prozent sogar gleich drei.

Der Trend geht zum Zweitteam

Aber hier lohnt sich ein genauerer Blick. Zwar ist bei einigen das zweite Team ein großer Klub aus dem europäischen Ausland, vor allen Dingen LaLiga ist beliebt, aber einem Großteil der jungen Fans geht die zunehmende Kommerzialisierung der großen Vereine auf die Nerven und sucht deshalb in den unteren Ligen, was er in der Premier League nicht mehr bekommen: Die Nähe zu den Spielern, ein echtes Stadionerlebnis oder einen Verein, mit dessen Werten sie sich identifizieren können. Beispielsweise Dulwich Hamlet, ein Sechstligateam, das sich klar gegen Rassismus und Sexismus positioniert und zu dessen Heimspielen durchschnittlich mehr als 1.300 Zuschauer kommen, oder Forest Green FC, der erste vegane Fußballverein.