Wie der DFB freiwillig auf Millionenzahlungen verzichtet

Wie viel Geld dem DFB möglicherweise entgeht

Skandalös daran ist, dass in den Zusatzvereinbarungen bereits im ersten Absatz vieles falsch darlegt wird, wenn die DFL ihre zu erwartenden Erlöse auf höchstens 866,66 Millionen Euro beziffert. Drei Prozent hiervon sind, sicher nicht ganz zufällig, tatsächlich 26 Millionen Euro. Doch allein die TV-Einnahmen der DFL betragen in den kommenden Jahren 1,159 Milliarden Euro. Hinzu kommen Ticketbeteiligungen, weitere Rechtevereinbarungen usw.. Die geschätzten Einnahmen des DFB scheinen hingegen ziemlich realistisch eingeschätzt. Wenn sich an diesen Zahlen in den kommenden fünf Jahren nicht viel ändern sollte, würde die DFL einen Erlös von etwa 1,7 Milliarden Euro pro Jahr erzielen und müsste - nach der Drei-Prozent-Regel - circa 52 Millionen Euro jährlich an den DFB zahlen - also das Doppelte.  

In der Vertragslaufzeit von fünf Jahren sind das insgesamt 259 Millionen Euro, von denen nur die Hälfte verrechnet wird. Umgerechnet auf die 25.075 Vereine im DFB muss deshalb jeder einzelne Klub auf 5.165 Euro verzichten - in Trainingsanzügen für F-Jugendliche sollte das besser niemand nachrechnen.

War ein besseres Ergebnis gar nicht möglich?

Der Verband will von alldem nichts wissen. »Würde man sämtliche Erträge ohne Deckel berücksichtigen, würden sowohl die Liga als auch der DFB dem jeweils anderen mehr zahlen müssen«, heißt es auf der eigenen Website. Es stellt sich die Frage, warum dann nicht auch auf die Deckelung verzichtet werden kann, schließlich sagt auch der DFB: »Es würde sich insbesondere kein Nachteil zulasten des DFB ergeben.«

Die Antwort ist deshalb wohl eher auf Seiten der DFL zu finden, denn die Vereine der Bundesliga sind überhaupt nicht gewillt, mehr Geld in Richtung der DFB-Zentrale an der Otto-Fleck-Schneise zu überweisen. Es scheint, als hätte der DFB den Kampf gegen die Vermarktungsriesen der Liga verloren. »Die dreiprozentige Beteiligung wird weiterhin als angemessene Größe betrachtet«, heißt es beim DFB. Und: »Ein besseres Ergebnis zugunsten des DFB war im Übrigen auch nicht zu erzielen.«

Wem gehört das Geld?

Anders ausgedrückt: Der DFB muss sich mit den Brotkrumen des Millardengeschäfts der 1. und 2. Liga zufrieden geben. Von drei Prozent kann angesichts der tatsächlichen Zahlen jedenfalls nicht gesprochen werden.

Und das alles zulasten der Landesverbände und Amateurvereine? Der Dachverband hat dazu eine, nun ja, sicher exklusive Meinung: »Die Leistungen des Grundlagenvertrags werden nicht durch Leistungen der Landesverbände erwirtschaftet, sondern durch solche des DFB. Sie stehen deshalb auch nicht den Landesverbänden zu, sondern dem DFB.«

Interessante Sichtweise

Aha. Wenn jemand auf Geld verzichtet, dann ist es also allein der DFB. Der Amateurfußball hat damit nichts zu tun. Kurzgesagt: in Trainingsanzügen für F-Junioren rechnet hier sowieso niemand. Eine interessante Sichtweise, die in jedem Fall aufzeigt, wie nah der DFB eigentlich seinen Mitgliedern ist. Wie sehr er, so wie in seiner Satzung steht, noch die Interessen seiner Mitglieder vertritt. Vor allem dann, wenn es ums Geld geht.

Wie es mit dem Grundlagenvertrag weitergeht, entscheiden in Frankfurt die Delegierten des DFB-Bundestags, darunter die Vertreter der Landesverbände. Aber nun gut, es ist ja sowieso nicht ihr Geld …