Wie der CS Lebowski den Fußball verändern will

Der Klub der Dudes

Enttäuschte Fans aus Florenz wendeten sich vom Profifußball ab und gründeten ihren eigenen Klub. Der ist ein Erfolgsmodell, Sozialprojekt und »Big Lebowski«-Huldigung in einem.

cslebowski.it

Erst im Tabellenkeller des Fußballs, auf dem letzten Platz in der untersten italienischen Liga, begann die Erfolgsgeschichte des AC Lebowski. 2004 war der Klub aus Florenz mit 1:99 Toren weit abgeschlagen. Das ist der Moment, in dem Marco Zwingauer und ein paar Freunde ihre Liebe zu diesem Underdog entdecken. Zuerst waren die Lebowski-Spieler verwundert: »Die dachten, wir wollen sie wegen der miesen Ergebnisse verprügeln«, erinnert sich Zwingauer, doch die Skepsis schlug um in eine enge Freundschaft. Fortan nannten sich die Fans »Ultimi Rimasti«, die letzten Übriggebliebenen.

Enttäuscht hatten sie sich vom Profifußball abgewendet. Sie suchten sich mehr aus Spaß einen neuen Klub, den sie unterstützen könnten, »einen bei dem wir nicht nur Schauspieler sind.« Gleichzeitig sollte damit ihr Ideal vom Fußball als gesellschaftliche Triebkraft Wirklichkeit werden. Einige der Lebowski waren lange in der Kurve des AC Florenz gestanden und sind noch heute Anhänger des Klubs, doch im Stadion spürten sie, dass sie nicht mehr willkommen waren. »Der Profifußball hat den Geist des Sports gestohlen«, sagt Marco Zwingauer. Repressionen, Ticketpersonalisierung, teure Eintrittskarten: »Der Weg, den der moderne Fußball eben gewählt hat«, sagt er. Enttäuscht klingt er dabei nicht.

Das Vereinslogo ziert der Dude, die Trikots sind einer früheren Zeit nachempfunden

Denn für ihn und seine Freunde eröffnete sich die Chance auf ein einzigartiges Projekt: Mit einem eigenen Verein das italienische Vereinsrecht umzukrempeln.  Zwei Jahre nachdem sie angefangen hatten, den AC Lebowski im Norden Florenz zu unterstützen, übergaben die bisherigen Klubeigner die Verantwortung an die Fangruppe. »Ihr lebt das viel mehr«, sagten sie. Einer der Klubchefs sah aus wie der Dude aus »The Big Lebowski«, daher die Huldigung im Klubname. Die Fans gründeten den Klub neu und der CS Lebowski war geboren. Ab sofort waren sie Spieler, Platzwart und Funktionär in einem.

Das war 2010. Seitdem versuchen sie, mit einem basisdemokratischen Modell eine neue Vereinskultur zu etablieren. Jeder, der den Mitgliedsbeitrag von 20 Euro zahlt, hat eine Stimme. Derzeit hat der Klub fast 400 zahlende Mitglieder aus Italien, England, Deutschland und den USA, Tendenz steigend. Nächstes Jahr soll es eine Online-Plattform geben, damit weltweit jeder am Verein partizipieren kann. Die Spieler bekommen kein Gehalt, Ex-Profis bieten ihre Dienste derzeit ohnehin kostenlos an, um für Lebowski zu spielen. Das Vereinslogo ziert der Dude, die Trikots sind mit Schnürkragen einer früheren Zeit nachempfunden. Ein Kult entsteht. Der englische Guardian berichtete und eine TV-Doku fing die Begeisterung ein.