Wie der BVB zu alter Spielstärke fand

Champagner-Fußball im Abstiegskampf

Vor wenigen Wochen betonte Jürgen Klopp, sein Team werde gegen den Abstieg kämpfen. Der Derbysieg beweist jedoch: Fußball spielen hilft auch. Fünf Gründe für das Comeback des BVB.

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Wie so oft vor einem Revierderby prognostizierten Experten ein enges Spiel, doch am Ende war es eine klare Angelegenheit. Der BVB spielte die überforderten Schalker an die Wand. Es war der vierte Dortmunder Bundesliga-Sieg in Folge. Jürgen Klopps Mannschaft verbesserte sich damit auf Rang zehn und hat nicht nur den Abstand zu den Abstiegsrängen ausgebaut, sondern ist nun bis auf sieben Punkte an die Europa-League-Ränge herangerückt. Wie hat das Team das Ruder herumgerissen? Fünf Gründe, warum Dortmund wieder nach oben schielen darf.

1. Jürgen Klopp lag falsch

Vor einem Monat stellten nach dem 0:0 in Leverkusen und dem 0:1 gegen den FC Augsburg nicht wenige die Frage, ob Klopp noch der richtige Trainer für Dortmund sei. Dortmund präsentierte sich vor allem offensiv harmlos. Klopp erklärte zur selben Zeit: »Man kann nicht von Abstiegskampf reden und Champagner-Fußball fordern.« Und Mats Hummels fügte hinzu: »Wir wissen, dass sich jetzt alles zu 98 Prozent über Kampf definiert.«

Die vergangenen Spiele beweisen das Gegenteil. Dortmunds Aufschwung hat viel damit zu tun, dass sie die eigene Spielstärke wiedergefunden haben. Während gegen Leverkusen statistisch gesehen jeder zweite Pass nicht ankam und gegen Augsburg jedes dritte Zuspiel zum Gegner ging, steigerte man sich in den vergangenen Spielen massiv. Gegen Schalke hatte Dortmund wieder eine Passgenauigkeit von über 80 Prozent. Dortmund spielte am Samstag eindeutig Champagner-Fußball, und Klopp war endgültig widerlegt.

2. Die Doppelsechs harmoniert

Dortmunds neu gewonnene Stärke hat viel mit den Spielern zu tun, denen Klopp das Vertrauen schenkt. Vor allem die neu formierte Doppelsechs zeichnet sich durch hohe technische Qualität aus. Nuri Sahin und Ilkay Gündogan sind starke Passspieler. Dennoch weisen beide nicht das gleiche Profil auf, sondern ergänzen sich: Gündogan steht eher für flache, präzise Zuspiele, während Sahins Radius im Passspiel größer ist.

Schnell verflüchtigte sich auch die Sorge, dass eine Doppelsechs Sahin-Gündogan zu offensiv sei, schließlich haben beide ihre Stärken eher im Passspiel als im direkten Zweikampf. Jedoch ergänzen sie sich auch hier bestens: Gündogan rückt am liebsten vor, um den Gegner im Pressing zu stellen. Sahin ist nicht so weitläufig im Pressing, sichert aber in der Tiefe gut ab. Somit harmonieren beide auch in der Defensive.

3. Klare Flügelaufteilung

Borussia Dortmund unter Klopp – das steht für Gegenpressing und schnelle Konter. Abseits dieser zwei Dortmunder Ur-Kompetenzen war aber eine weitere taktische Feinheit für die zahlreichen Erfolge verantwortlich: In Dortmunds Spiel gab es immer wieder kleine Asymmetrien. So war ein Flügel meist für die Einleitung der Angriffe zuständig, während die andere Seite den Angriff veredeln sollte. Während diese Asymmetrie in den Krisenmonaten fehlte, ist sie nun wieder klar zu erkennen.

So leitete Dortmund gegen Schalke viele Angriffe über die rechte Seite ein. Oliver Kirch, Henryk Mkhitaryan und die Dortmunder Doppelsechs bildeten auf dieser Seite das spielstarke Grundgerüst. Marco Reus lief von der linken Seite oft ins Zentrum ein und wurde erst spät in die Angriffe eingebunden. Er konnte dadurch jene Stärke einbringen, die ihn so einzigartig macht: sein Zug zum Tor. Dortmund bildet wieder stärker Überzahlen, was sich vor allem auf der rechten Seite auszahlt.