Wie der BVB das Derby gewann

Keine Stürmer, keine Tore

Borussia Dortmund gewinnt das Derby. Wieso, weshalb, warum? Vier Gründe, warum der BVB Schalke besiegen konnten.

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Auf die große Feier folgt stets der Kater. Noch im Sommer huldigte ganz Gelsenkirchen Trainer Domenico Tedesco. Mit seinem taktischen Geschick führte er Schalke vergangene Saison zur Vize-Meisterschaft. Und nun? Tristesse. Gerade einmal vierzehn Punkten haben die Schalker in dieser Saison geholt. Sie stehen weit entfernt von den anvisierten Champions-League-Rängen.

All die Niederlagen zu Saisonbeginn wären vergeben und vergessen gewesen, wenn, ja wenn Tedescos Elf das Spiel des Jahres gewonnen hätte. Doch auch im Derby bleiben die Schalker unter den Erwartungen. Borussia Dortmund gewann 2:1. Das hatte viel mit der Stärke der Borussia zu tun – aber auch mit taktischen Fehlern von Tedesco. Vier Gründe, warum der BVB das Derby gewonnen hat.

1. Favre konterte Tedescos Matchplan

Tedesco entschied sich, mit offenem Visier anzutreten gegen den scheinbar übermächtigen Tabellenführer. Er schickte Schalke nicht im üblichen 5-3-2 auf das Feld, sondern in einem 4-3-1-2, einer sogenannten Rauten-Formation. Diese hatte Schalke bereits gegen Hoffenheim erprobt, mangels defensiver Stabilität aber verworfen.


Vorteil dieser Formation ist die hohe Präsenz im Mittelfeld-Zentrum. Mit vier Akteuren lässt sich dieser Bereich dominieren. Zugleich kann man leicht zu einem offensiven 4-3-3-Pressing übergehen. Dazu muss sich nur der Zehner auf eine Höhe begeben mit den beiden Stürmern. Schalkes Nabil Bentaleb tat genau dies.

BVB-Coach Lucien Favre (61) mag ungleich älter sein als Tedesco (33), er ist aber nicht minder Taktik-affin. Seine Dortmunder antworteten auf die Schalker Übermacht im Mittelfeld-Zentrum, indem sie sich eng zusammenzogen. Die Mittelfeldspieler orientierten sich weit im Zentrum, Dortmund verteidigte äußerst kompakt. Die Flügel blieben zwar frei, aber das war kein Problem mangels Schalkes Präsenz auf den Außen. Der BVB legte Schalkes Offensive lahm.

2. Schalke erlangte keinen Zugriff

Auch der defensive Plan von Tedesco ging nur zum Teil auf. Zwar versuchten sie, mit ihrer Mischung aus 4-3-1-2 und 4-3-3 den Druck hochzuhalten auf Dortmunds Mittelfeldreihe. Nur ließen sich Thomas Delaney und Axel Witsel nicht aus der Ruhe bringen. 

Witsel ragte im Spielaufbau heraus – mal wieder, muss man sagen. Er ist in dieser Saison kaum vom Ball zu trennen. 65 Pässe spielte Witsel, 61 kamen beim Mitspieler an. Nur ein einziges Mal ließ er sich in der gesamten Partie vom Ball trennen.

Dem Belgier kam zugute, dass die Schalker mit ihrem System die Flügel nicht abdeckten. So konnte er im Zweifel immer das Spiel auf die eigenen Außenverteidiger verlagern. Gerade Linksverteidiger Achraf Hakimi zeigte sich im Spielaufbau sehr präsent, hatte die meisten Ballkontakte aller Spieler auf dem Feld (96, weit vor Salif Sane mit 78). Schalke eroberte zu wenig Bälle, um die eigene Idee vom schnellen Konterfußball umzusetzen.