Wie das Internet die wunderbare Transferperiode ruiniert

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Früher war alles besser. Vor allem auch die Transferphasen der Bundesliga. Schließlich gab es noch kein nerviges Internet, das einen in den Wahnsinn treibt.

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Dass ein Stürmer wie Yermas Dildo noch immer keinen neuen Verein hat, ist schlicht nicht nachzuvollziehen. Die Erfolgsquote von Yermas Dildo ist großartig, er ist toll in der Box und hat eine sagenhafte Ausdauer. Und außerdem ist er ein schlüpfriger Wortwitz, den ein paar Internet-Halbstarke anno 2017 auf den Weg brachten, als sie einen kamerunischer Superstürmer erfanden, der angeblich kurz vor einem Transfer zum FC Reading stünde. Ein Scherz, der wunderbar aufging, weil die lokalen Medien ihn dankbar aufgegriffen und eifrig darüber berichteten, dass der Dildo deiner Mutter bald nach Reading kommt. Hahaha. Haha. Ha.

Der Gag mit Yermas Dildo mag dem geneigten Fußball- bzw. Sextoy-Fan noch einen Schmunzler abringen, er zeigt aber vor allem, wie unausstehlich das Internet die alljährliche Sommertransferphase gemacht hat. Dass das Netz sowieso ein riesengroßer Scheißhaufen ist – Desinformationskampagnen, gehackte Wahlen, Nazis allerorten - , darüber müssen wir nicht reden. Aber dass diese verdammte Erregungs-Logik auch auf den Fußball übergreift, ist einfach nur nervig.

Die Transferphase war eine magische Zeit

Früher war es doch so: Die Transferphase war eine magische Zeit. Kroatische Jahrhunderttalente und brasilianische Wunderstürmer, die es nun in Europa allen zeigen wollten, tauchten kurz in einer Kicker-Randnotiz auf und verschwanden wieder, wie seltene Tiere, von denen man schon bald nicht mehr wusste, ob man sie wirklich gesehen hatte. Und mangels Internet war man auf seine Phantasie zurückgeworfen, bis der nächste Kicker erschien. Wer würde er sein, dieser geheimnisvolle Damir Stojak, der vom SSC Neapel kommen sollte? Der neue Jahrhundertknipser, der endlich die Fußstapfen Tony Yeboahs füllt? Bestimmt. Und Matthias Dworschak, dieses mysteriöse Supertalent aus der Reserve? Klang nicht sein Name schon nach einer Mischung aus einem Komponisten der Romantik und bulgarisch-französischem Fußballgenie? Ganze Sommerferien lang wartete man auf das vermaledeite Bundesliga-Sonderheft, dessen Auslieferung ins Strandkaff, in dem man urlaubte, alles andere als sicher war. Umso aufregender, als es dann doch am Kiosk lag. Ein Buch voller Geheimnisse, voller neuer Namen, die man in der kommenden Saison inbrünstig rufen würde, bei jedem einzelnen der 37 zu erwartenden Saisontore. Mindestens. Und in der Zwischenzeit hatte man Ruhe.

Und heute? Leben wir alle im Internet, den Blick stumpf im Smartphone versenkt, wie der Esel, dem eine Möhre an einer Angel vorm Gesicht baumelt, ih-ah, und schenken unsere Aufmerksamkeit jenen, die am lautesten sind. Manchmal werden diese Leute sogar US-Präsident, in weniger schlimmen Fällen verbreiten sie Transfernews, die keine sind. +++Eil+++, Breaking, nach unseren Informationen, unmittelbar vor einem Wechsel, irre Wende, soll zeitnah über die Bühne, Insider-Informationen besagen, dass...