Wie dämlich ein türkischer Amateurverein den Titel herschenkt

Gut geschlafen?

Am letzten Spieltag der höchsten türkischen Amateurliga ist Cankirispor der Meistertitel nicht mehr zu nehmen. Im Duell gegen den direkten Verfolger muss der Klub eigentlich nur noch antreten. Eigentlich.

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Es gibt verschiedene Arten von »unangenehm«. In eine neue WG zu ziehen und sich gleich am ersten Wochenende mit einem Magen-Darm-Infekt einzuführen, ist  Eine. »Sorry, aber habt ihr zufällig was gegen Brechdurchfall da?« Die im Grunde schon sicher geglaubte Meisterschaft herzuschenken, weil man sich am letzten Spieltag im Datum geirrt hat, ist eine Andere.

So ist es gerade dem türkischen Amateurverein Cankirispor ergangen. Der hätte sein letztes Saisonspiel gegen den Zweitplatzierten Kursunlu Belediyespor auch haushoch verlieren können, Meister wäre der Klub trotzdem geworden. Blöd nur, dass er gar nicht erst zum Spiel erschienen ist.

Die Suche nach der perfekten Ausrede

Denn das wurde nicht nur als Niederlage gewertet, sondern auch mit einem Abzug von drei Punkten bestraft. Die reichten ärgerlicherweise aus, um die bis dahin ungeschlagene Mannschaft von Cankirispor auf Platz zwei zurückzuwerfen. Meister ist nun also Kursunlu Belediyespor und die hören die Ausreden des Konkurrenten gar nicht gerne.

Cankirispor-Präsident Sevda Karaali möchte den Fauxpas nämlich gerne ungeschehen machen und lässt sich dafür anscheinend von den ewigen Klassikern der besten Schülerausreden inspirieren. Von einer Lebensmittelvergiftung der gesamten Mannschaft und einer Bus-Panne ist die Rede.

»Selbst mit einem Traktor hätten sie es geschafft«

Sein Gegenüber Zekeriya Kahraman will davon wenig wissen. Entsprechend ruppig fällt seine Antwort aus: »Karaali lügt. Sie dachten einfach, dass das Spiel am Sonntag wäre, obwohl es auf Freitag gelegt worden war. Selbst mit einem Traktor hätten sie es rechtzeitig geschafft.«

Auch wenn Sevda Karaali noch den Spielpläne fressenden Hund in die Waagschale wirft. Den Titel haben sie bei Cankirispor auf maximal dämliche Art und Weise verspielt. So ein wenig Vergesslichkeit würde man auch dem FC Bayern München wünschen. Vielleicht wäre die Meisterschaft dann endlich wieder spannender.