Wie Christian Titz den HSV wiederbelebt hat

Hunt und Holtby dürfen endlich Fußball spielen

3. Holtby und Hunt dürfen endlich Fußball spielen
Dass der Übergang vom ersten ins zweite Drittel häufig gelingt, liegt maßgeblich am Mittelfeld-Trio. Matti Steinmann, der bislang hauptsächlich Regionalliga spielte, gibt den Ankerpunkt vor der Abwehr. Vor ihm toben sich Lewis Holtby und Aaron Hunt aus. Beide sorgen oft für Überzahl auf einer Seite. Dort spielen sie sich den Ball zu, locken den Gegner hierher – nur um dann mit einem weiten Schlag den Ball auf die andere Seite zu befördern.

Holtby und Hunt fühlen sich in diesem System merklich wohler als in jenem Hau-Ruck-Fußball, den die Vorgänger von Titz spielen ließen. Holtby klang nach dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg fast euphorisch: »Wir spielen das erste Mal Fußball seit vier Jahren.« Mit vier Treffern aus den vergangenen fünf Spielen ist Holtby einer der Garanten für den Aufschwung unter Titz.

4. Die Gegner nutzen die HSV-Schwächen nicht
Der HSV holte zuletzt drei Siege aus den vergangenen vier Spielen. Die Gegner halfen dabei kräftig mit: Schalke wirkte beim 2:3 demotiviert, Freiburg vergab beim 0:1 beste Chancen, Wolfsburg wehrte sich beim 1:3 kaum. So toll die spielerischen Fortschritte unter dem neuen Trainer sind: Sie hatten auch das Glück, zur richtigen Zeit auf die richtigen Gegner zu treffen.

Probleme gibt es nämlich auch im neuen System. Bei Ballverlusten im Mittelfeld steht der HSV enorm anfällig, das Gegenpressing greift nicht richtig. Steinmann macht als Abräumer mit seinem Auge vieles wett, ihm fehlt aber eigentlich das Tempo für das höchste Niveau. Im letzten Drittel tut sich der HSV weiterhin schwer, ist abhängig von den Dribblings der Außenstürmer.

Doch keiner der Gegner konnte diese Schwächen ausnutzen; Wolfsburg spielte mit dem indiskutablen Abwehrverhalten auf den Flügeln Hamburg gar in die Karten. Hoffenheim (2:0) und Stuttgart (1:1) bewiesen, wie man dem HSV mit guten Kontern gefährlich werden kann.

5. Das Restprogramm ist mehr als machbar
Die gute Nachricht für den HSV: Die kommenden Gegner befinden sich in schwacher Verfassung. Die Eintracht verlor alle Bundesliga-Spiele, seit der Wechsel ihres Trainers Niko Kovac zu den Bayern publik wurde. Gladbach wiederum zeigt sich in dieser Saison wankelmütig und defensiv anfällig. Wenn Titz sein System weiterentwickelt, sind drei bis sechs Punkte durchaus möglich. Und diese dürften zumindest genügen, den HSV in die Relegation zu retten. Denn nach der indiskutablen Leistung am Wochenende erscheint es kaum so, dass der VfL Wolfsburg in dieser Saison noch allzu viele Punkte holt.

Selbst wenn der HSV doch noch absteigt: Die Leistungen der vergangenen Wochen machen Mut, dass sich in Hamburg etwas Substantielles ändert. Diese Hoffnung gab es bei den Rettungen der vergangenen Jahre nicht. Vielleicht hat Titz ja tatsächlich den Teufelskreis durchbrochen.