Wie Chile die Copa gewann

Sieg für das Kollektiv

Chile gewinnt die Copa America. Das Kollektiv triumphierte über die Stars. Trotz Elfmeter-Lotterie war der Sieg mehr als verdient.

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Nach einem Elfmeterschießen von einem »verdienten Sieg« zu sprechen, ist eigentlich Unsinn. Als würde man in einem Lokal nur ein Dessert bestellen und am Ende den Koch als Genie bezeichnen.

Die logische Pointe

Im Finale der Copa America lässt sich jedoch nur schwerlich vermeiden, die ungeliebte Formel des »verdienten Siegs« anzuwenden. Ja, Chile benötigte die Lotterie Elfmeterschießen, um sich den ersten Titel seiner langen Fußballgeschichte zu sichern. Und doch waren die Elfmeter ein Spiegelbild der Partie: Argentiniens Schützen wirkten ängstlich und vergaben kläglich; Chiles Spieler schossen mit so viel Selbstvertrauen und Wucht, als hätten sie eine Kanne Kaffee intravenös injiziert bekommen. Das Elfmeterschießen war – ausnahmsweise – die logische Pointe der Partie.

Für den Spielverlauf lässt sich ein weiteres, oft müßiges Klischee bemühen: Es traf ein Kollektiv auf elf Solisten. Das mag überspitzt formuliert sein, doch taktisch war dieser klassische David-gegen-Goliath-Kampf lange zu erkennen. Argentinien zog es vor, sich auf das Kontern zu konzentrieren. In ihrem 4-3-3-System sollten die hinteren sieben Spieler die drei Stars Lionel Messi, Angel di Maria und Sergio Agüero in Szene setzen, die defensiv alle Freiheiten genossen.

Ständige Umformatierung der Chilenen

Chile war gänzlich anders aufgestellt. Ihr Spiel basiert vor allem auf einem leidenschaftlichen Pressing: Die ganze Mannschaft rückt heraus, um den Gegner unter Druck zu setzen. Nominell basierte ihr System auf einer Mischung aus 4-3-1-2 und 4-3-3 mit Jorge Valdivia als falscher Neun.

In der Praxis war dieses System fast nie zu erkennen. Chile formte seine Formation ständig um und passte sich an, um möglichst hohen Druck ausüben zu können. So schoss vor allem Arturo Vidal, von seinen Landesgenossen »Pitbull« genannt, immer wieder nach vorne. Oft störte Chile mit vier Mann in der gegnerischen Hälfte.